Corona - Chance für die Digitalisierung im Mittelstand?

Ein Expertengespräch mit Felix Gebauer (WTSH) und Dr. Johannes Ripken (DiWiSH)

Die Corona-Krise hat viele Unternehmen kalt erwischt. Innerhalb von wenigen Tagen wurden auch in Schleswig-Holstein viele Unternehmen gezwungen, ihre Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken oder ad hoc auf digitale Abläufe umzustellen. Digitalisierung im Schnellverfahren – zumindest in einigen Bereichen. Eine große Herausforderung. Dennoch wird die Corona Krise von vielen Experten auch als Chance für die Digitalisierung insgesamt angesehen. Trifft das zu? Wir haben darüber einmal mit unserem Digitalisierungsexperten – WTSH- Innovationsberater Felix Gebauer und Johannes Ripken, Clustermanager Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH), angesiedelt bei der WTSH, gesprochen.

WTSH Online-Redaktion: Felix, Johannes, ihr betreut selbst seit mehr als nun drei Wochen eure Kunden aus dem Homeoffice. Klar ist: Die Lage in den Unternehmen ist in vielen Bereichen angespannt. Wie ist Euer Eindruck: Haben die Unternehmen die Umstellung auf digitale Prozesse – hierbei spielt zum Beispiel das Thema Homeoffice eine wesentliche Rolle – in der Kürze der Zeit bewältigen können?

Felix: Die Unternehmen, die ihre digitale Infrastruktur bereits vor der Krise so gestaltet hatten, dass große Teile der Mitarbeiter Homeoffice fähig sind, waren natürlich im Vorteil. Andere Unternehmen konnten zumindest sehr schnell reagieren und noch rechtzeitig und agil entsprechende Software ausrollen, damit Mitarbeiter auch von zuhause aus auf wichtige Dokumente zugreifen können. Alle Unternehmen, die in diesem Bereich nicht oder schlecht vorbereitet und handlungsunfähig waren, wurden von der Situation sicherlich kalt erwischt.

Johannes: Meine Perspektive liegt im Gegensatz zu Felix‘ Sicht ja auf der Digitalwirtschaft. Hier war es für die meisten Unternehmen für die Prozesse kein böses Erwachen, weil hier zu großen Teilen digitale Infrastrukturen bestehen, Remote Arbeit, also das Arbeiten von zuhause oder von einem x-beliebigen Ort aus –  keine Seltenheit ist.

Felix Gebauer

Innovationsberater

Name: Felix Gebauer
Telefon: 0431 – 66 66 6-8 73
Mail: gebauer@wtsh.de

WTSH Online-Redaktion: Viele Experten sehen in der derzeitigen Situation auch eine Chance für die Digitalisierung im gesamten Mittelstand. Seht ihr diese Chance ebenso?
Felix: Ja, ich denke schon! Es ist schon so, dass viele Unternehmen jetzt sehr direkt damit konfrontiert werden, was Digitalisierung für einen Nutzen bringen kann. In den sozialen Netzwerken stellt man sich jetzt zum Beispiel vermehrt die scherzhaft gemeinte Frage, wer im Unternehmen hauptverantwortlich für die Umsetzung der digitalen Transformation ist: der CEO, der CTO oder COVID-19. Daran erkennt man, dass sich etwas bewegt und illustriert diesen Punkt, dass die Krise auch ein Weckruf ist.
Johannes: Ich bin mir absolut sicher, dass nach der Krise die Chancen der digitalen Tools, Prozesse und Geschäftsmodelle stärker im Fokus und in der Anwendung stehen. Um noch eine weitere Perspektive zu geben: damit Prozesse oder auch eine Arbeitskultur sich grundlegend reformiert, muss erst ein „Schmerz“ empfunden werden, bevor man beginnt, umzudenken. Dieser Schmerz war bei vielen Unternehmen noch nicht da.

Projektleiter DiWiSH

Name: Dr. Johannes Ripken
Telefon: 0431 – 66 66 6-8 59
Mail: ripken@wtsh.de

WTSH Online-Redaktion: Wir wissen, dass dieser Schmerz jetzt vorhanden ist und dass viele Unternehmen momentan große Herausforderungen zu bewältigen haben. Könnt ihr einschätzen, ob momentan überhaupt Digitalisierungsprojekte vorangetrieben werden?

Felix: Tatsächlich ist es so, dass die allermeisten der Unternehmen, mit denen ich in den vergangenen Wochen gesprochen habe, ihre Digitalisierungsprojekte weiter vorantreiben oder sogar die Situation nutzen, um neue Projekte zu starten. Das betrifft vor allem die Digitalisierung interner Prozesse, beispielsweise digitales Dokumentenmanagement und Automatisierung von Prozessen in der Produktion und Warenwirtschaft. Das sind Themen, die relativ einfach zu greifen und umzusetzen sind, und es ist gut, dass Unternehmen diese Themen jetzt nicht vernachlässigen. Denn nach der Krise wird es wichtiger sein als vorher, hierbei gut aufgestellt zu sein. Unternehmen, die jetzt die Zeit nutzen, um komplett neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, sehe ich bisher noch nicht in großem Umfang. So etwas erfordert auch eine andere Aufmerksamkeit und strategisches Denken. Wahrscheinlich sind die Köpfe dafür gerade nicht wirklich frei, denn in vielen Unternehmen geht es eben aktuell auch um die Existenz.
WTSH Online-Redaktion: Richten wir dennoch mal einen kleinen, vorsichtigen Blick in die Zukunft: Welche Maßnahmen könnten von den Unternehmen ergriffen werden?
Felix: Aus meiner Sicht ist es zunächst mal wichtig, bereits begonnene Vorhaben zur Digitalisierung nicht komplett auf Eis zu legen. Natürlich müssen viele Unternehmen nun genau prüfen, wo Kosten eingespart werden können, aber die wichtigen und langfristig ausgerichteten Digitalisierungsprojekte sind aus meiner Sicht nun wichtiger denn je und sollten weiterlaufen. Es kann auch durchaus Sinn machen, die aktuelle Phase, in der das operative Geschäft gezwungenermaßen heruntergefahren wird, für neue Digitalisierungsprojekte zu nutzen, die vielleicht schon lange in der Schublade liegen, aber immer wieder verschoben wurden – natürlich erst, wenn die ganzen dringenden Themen wie die Sicherung der Liquidität abgehakt sind. Stichwort Liquidität: Es macht für Unternehmer natürlich Sinn, sich auch bei uns über Unterstützungsangebote und Fördermöglichkeiten für Digitalisierungsprojekte zu informieren, dann es gibt eine Menge Möglichkeiten, um hierfür Zuschüsse zu bekommen. Wir informieren dazu gerne.
Johannes: Ich denke, wenn diese Krise überwunden ist die Köpfe wieder frei sind und auch ein gewisser wettbewerblicher Druck da ist, wird meines Erachtens die Aufmerksamkeit und die Ambitionen, digitale Geschäftsmodelle zu denken und umzusetzen größer sein als zuvor.
WTSH Online-Redaktion: Felix, Du unterstützt Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen bei ihren Digitalisierungsprojekten. Johannes, du vernetzt die digitale Wirtschaft in Schleswig-Holstein. Beide nutzt ihr die Synergien innerhalb der WTSH. Wie sehen die insbesondere in der momentanen Krisen-Situation aus und welchen konkreten Nutzen haben schleswig-holsteinische Unternehmen davon bei der Umsetzung ihrer Digitalisierungsvorhaben?
Felix: Die WTSH Innovationsberater unterstützen dabei, konkrete Schritte zu planen und zum Beispiel eine Roadmap für die digitale Transformation des Unternehmens zu erstellen. Außerdem beraten wir zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten und vermitteln geeignete Kooperationspartner. Dabei sind wir in engem Austausch mit unseren Kollegen vom DiWiSH Clustermanagement, denn in den Unternehmen, die im DiWiSH vernetzt sind, ist natürlich jede Menge Know-how in der Digitalisierung vorhanden. Wir versuchen, dieses Know-how gezielt für Unternehmen aus anderen Branchen, also zum Beispiel aus dem produzierenden Gewerbe, nutzbar zu machen und Kontakte zu vermitteln. Darum führen wir auch zunehmend Beratungsgespräche mit Unternehmern gemeinsam durch. Wir stellen fest, dass es dabei einen noch größeren Mehrwert für unsere Kunden gibt, weil sich unsere Sichtweisen auf die Fragen und Herausforderungen der Unternehmen wunderbar ergänzen.
Johannes: Besser kann man die Synergien der WTSH-Innovationsberatung und der DiWiSH und den Kundennutzen kaum erklären! Ich möchte noch ergänzen, dass es im DiWiSH Netzwerk nicht nur viel Know-how gibt, sondern auch die passenden Unternehmen für die umfassende Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben. Wichtig ist, dass jedes Unternehmen bei sich Innovations- und Digitalisierungspotenziale identifiziert und in die Umsetzung kommt. Dabei sehe ich die Kombination von WTSH- Innovationsberatern und dem DiWiSH- Team als ideale Sparringspartner.

Felix: Dem ist nichts hinzuzufügen außer: Melden Sie sich bei uns. Wir gehen gemeinsam mit Ihnen Ihre Projekte an. Jetzt in der Krise und darüber hinaus!

Das Interview führte Ute Leinigen/WTSH

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Letzte Aktualisierung 07.04.2020

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