2022: Was kommt -  Was bleibt?

Trends und Herausforderungen für KMU

Welche Änderungen, Trends und Herausforderungen kommen in diesem Jahr auf die KMU zu? Welchen Unsicherheiten stehen KMU gegenüber, in einer sich rasant ändernden Welt. Wo ergeben sich Chancen für neue, innovative Geschäftsmodelle? Wir haben die wichtigsten Trends und Herausforderungen zusammengefasst:

High voltage power lines  windenergy and solar panels. XXXL image, 50Mpx.

1.     Nachhaltigkeit und Energiewende

Nachhaltigkeit wird auch im Jahr 2022 zentraler Bestandteil vieler Unternehmensstrategien bleiben, allerdings auch eine der größten Herausforderungen. Durch höhere Umweltstandards, enorme Energiepreissteigerungen und die CO 2- Bepreisung im Rahmen der Energiewende stehen Unternehmen unter enormen (Kosten) Druck, insbesondere im produzierenden Gewerbe. Die Wortschöpfung „Greenflation“ bildet den Effekt dieser Entwicklung auf die Preise und Inflationsrate ab. Auch mit der der Novellierung des so genannten „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD) müssen sich Unternehmen im Jahr 2022 auseinandersetzen. Neu ist, dass von Januar 2022 an Unternehmen ab 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verpflichtet sind, ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten in ihren Lagebericht aufzunehmen. Bislang galt diese Verpflichtung für Unternehmen ab 500 Mitarbeitern. CSRD legt die Regeln für die Offenlegung von nichtfinanziellen Informationen für Unternehmen fest. Dazu gehören Umweltfragen, soziale Angelegenheiten, Menschenrechte, Korruptions – und Bestechungsbekämpfung oder die Behandlung von Mitarbeitern. Neu ist, dass dieser Bericht verpflichtend geprüft werden muss. Ebenso gibt es Regeln zu Sanktionen und Verstößen. Anzuwenden ist das CSRD in der neuen Form erstmals für das Geschäftsjahr 2021. „Die Auseinandersetzung mit den eigenen Nachhaltigkeitsaktivitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zeigt neben dem Kostenaspekt aber auch Chancen für Innovationen und Optimierungspotenziale auf und macht Unternehmen damit langfristig wettbewerbsfähiger“, so WTSH Geschäftsführer Dr. Bernd Bösche. „Ggf. können sogar Lieferkettenprobleme und negative Umweltwirkungen vermieden werden, da das Thema Nachhaltigkeit eine andere Perspektive eröffnet.“ Darüber hinaus wird Nachhaltigkeit immer mehr zu einem bestimmenden Element der Arbeitgebermarke und der Unternehmensreputation. Laut der Top-Job-Studie der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2021 steigert die Arbeitgeberattraktivität die Unternehmensleistung um 19 Prozent. Nachhaltigkeit wird eine immer stärkere Rolle dabei spielen, motiviertes, innovative, effektive Fachkräfte für das Unternehmen zu gewinnen und zu binden. Auch dieser Trend wird sich im Jahr 2022 fortsetzen und wahrscheinlich noch verstärken. 

Container an großem Hafen

2.     Lieferketten und Beschaffung

Auch im Jahr 2022 dauern die Lieferketten Schwierigkeiten noch an. „Voraussichtlich werden uns Lieferkettenengpässe und Unsicherheiten noch eine Weile begleiten“, meint WTSH Außenwirtschaftsberater Christian Decker. „Zum einen spielt hierbei auch die Energieknappheit des Wirtschafts-Riesen China eine große Rolle, da die Gefahr besteht, dass aufgrund mangelnder Energie, Produktionsabläufe abgestellt werden und daraus Lieferengpässe entstehen könnten.“ Auch könne die Corona Nulltoleranz Strategie in China die Lieferketten weiterhin beeinträchtigen.  „Auch aus diesem Grund werden viele Unternehmen nach neuen und nachhaltigen Lösungen zur Gestaltung ihrer Liefer- und Wertschöpfungsketten suchen. Dabei werden Sicherheit und die Flexibilität des Transports eine große Rolle spielen“, so Jenny Dümon, WTSH-Teamleiterin Enterprise Europe Network Hamburg - Schleswig-Holstein (EEN). Doch auch wenn Regionalität im Hinblick auf Lieferketten durch die Corona Pandemie eine neue Bedeutung erhalten hat, ist die internationale Vernetzung damit nicht passé. „Vielmehr kommt Bewegung in die Diversifikation von Wertschöpfungs- und Lieferketten und Absatzmärkten sowie in den fairen internationalen Handel. Gerade für kleinere Unternehmen ist die Erschließung zusätzlicher Beschaffungs- und Absatzmärkte wichtig, denn damit können sie das Risiko von gestörten Lieferketten oder Umsatzausfällen reduzieren," ergänzt WTSH Außenwirtschaftsberater Christian Decker. Für 2022 gilt also umso mehr: Vorbei sind die Zeiten, in denen die Beschaffung auf nur eine Lieferanten-Beziehung setzte. In eine solche Abhängigkeit wird sich niemand mehr begeben wollen. Lieferketten und weltweite Netzwerke werden auf die Probe gestellt. Jedoch ist davon auszugehen, dass eine Abkehr von der Globalisierung keine Alternative ist, sondern dass sich ein Mix aus regionalen und globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten etablieren wird. 

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3.  Digitalisierung

Wer über Lieferketten und Beschaffung spricht, wird auch künftig an der Digitalisierung nicht mehr vorbeikommen. Insbesondere im Einkauf wird die Digitalisierung von Prozessen entlang der gesamten Wertschöpfungskette große Schritte machen - vom Sourcing über Bestellungen bis hin zur Rechnungsverarbeitung. Auch im Hinblick auf den Megatrend Nachhaltigkeit wird die Digitalisierung für viele KMU eine wichtige Rolle spielen. Denn um Prozesse nachhaltig zu gestalten, sind optimal ineinanderlaufende, digitale sowie automatisierte Prozesse notwendig“, meint WTSH-Digitalisierungsexperte Felix Gebauer. „Auf der anderen Seite muss man aber auch den ökologischen Fußabdruck der Digitalisierung im Auge behalten.“ Viele Rechner, große Datenmengen und Netze erfordern einen enormen Energiebedarf. Auch hier gibt es bereits Bestrebungen, den Energiebedarf möglichst klimaneutral zu decken. Die großen Player der Digitalisierung investieren mittlerweile in unternehmenseigene Solar- und Windparks. An Schleswig-Holsteins Westküste gibt es mit Windcloud ein Unternehmen, das ihr Rechenzentrum komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien speist. Auch die digitalen Produkte selbst können „grüner“ also effizienter werden. Es gibt z.B. im Bereich der Künstlichen Intelligenz viele Lösungen, die einen enormen Rechenaufwand und damit hohen Energieverbrauch haben. Hier wird bereits bei der Programmierung auf Effizienz geachtet, um so die Rechnerleistung so klein wie möglich zu halten. „Es ist wichtig, das Thema Digitalisierung im Unternehmen ganzheitlich zu betrachten, insbesondere im Hinblick auf die Nachhaltigkeit. Denn das bietet viele Chancen, nicht nur in Bezug auf Nachhaltigkeitsziele, sondern auch rein wirtschaftlich“, so Gebauer. Wie und wo Digitalisierung im Unternehmen eingesetzt werden kann, können Unternehmen mit dem Digitalisierungs-Check ermitteln.

4.     Cyber Kriminalität

Cyber-Kriminalität hat während der Corona Pandemie stark zugenommen. Durch das mobile Arbeiten haben sich die Angriffsflächen deutlich erhöht, da sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr ausschließlich im sicheren IT-Kosmos des eigenen Unternehmens befinden und in den vergangenen zwei Jahren häufig ungeschützt im Homeoffice gearbeitet haben. Für Meetings wurden unsichere Videokonferenzdienste genutzt, weil es nicht anders möglich war. Unternehmen mussten ad hoc handlungs– und arbeitsfähig bleiben. Oftmals fehlte die Zeit einer Prüfung der genutzten digitalen Infrastruktur, so dass massive Sicherheitslücken entstehen konnten - und die wurden ausgenutzt. Fast unbehelligt konnten Cyber-Kriminelle in die Wohnzimmer und damit in die Unternehmen eindringen - auch weil das Geschäft vergleichsweise risikoarm ist. Fahndung und Aufklärung sind schwierig, Zugriffe je nach physischem Standort des Angreifers fast unmöglich. Der Handlungsbedarf zeichnete sich bereits vor der Pandemie ab, mit dem Homeoffice wurde er unübersehbar und er ist weiterhin akut. Auch für immer mehr kleinere und mittlere Unternehmen werden Cyber Angriffe zu einer immer größer werdenden Bedrohung und Datendiebstahl, digitale Erpressung, der Einsatz von Schadstoffsoftware und Identitätsdiebstahl immer häufiger. „Darum müssen sich Unternehmen im Jahr 2022 verstärkt mit dem Thema Cyber Sicherheit auseinandersetzen und strategische Maßnahmen entwickeln, so Dr. Johannes Ripken, Projektleiter Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH). Dazu gehört es unter anderem auch Probleme zu erkennen, zu sensibilisieren und Notfallpläne zu entwickeln. Hierzu bieten wir im Februar die Veranstaltung "Sicherheitslücke „Log4j“ – Gefahr für mein Unternehmen?" an.“

Two diverse businesspeople chatting sitting behind laptop in office. Excited caucasian female sharing ideas or startup business plan with black male coworker. Informal conversation, work break concept

5.     Fachkräftemangel 

Der Fachkräftemangel bleibt auch im Jahr 2022 weiterhin eines der größten Wachstumshemmnisse des Mittelstandes. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young, haben rund 80 Prozent der befragten Unternehmen Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. „Auch wenn es in Schleswig-Holstein im Vergleich zu anderen Bundesländern weniger Engpässe zu beklagen gibt, wird der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen der KMU für die kommenden Jahre darstellen," so WTSH Geschäftsführer Dr. Bernd Bösche. "Unternehmen werden zunehmend Probleme bekommen, Fachkräfte zu rekrutieren und an sich zu binden. Gerade deshalb wird es auch im kommenden Jahr darum gehen, den vorhandenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der Mitarbeitergewinnung besonderes Augenmerk zu widmen.“ Die Frage wird nicht nur sein, wie einzelne Unternehmen erfolgreich Fachkräfte Recruiting betreiben, sondern wie Standorte dem Fachkräftemangel mit gemeinsamen Initiativen entgegenwirken können. Schleswig-Holstein kann hier punkten: mit interessanten Arbeitgebern im Mittelstand und einer hohen Lebensqualität, die im Zeitalter mobilen Arbeitens nochmals an Bedeutung gewinnen wird. Diese Potenziale gilt es auch im Jahr 2022 zu kommunizieren und zu nutzen – gemeinsam mit dem Mittelstand im echten Norden. 

6.     Neue Märkte erschließen - wohin geht die Reise?

Absatz- und Beschaffungsmärkte haben sich durch die Corona Pandemie in den vergangenen zwei Jahren beschleunigt. Sie haben sich rasant und tiefgreifend verändert und sind zunehmend volatiler geworden. Aufgrund der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten wird der daraus resultierende Veränderungsdruck auch 2022 anhalten. „Aus diesem Grund müssen Mittelständler umso dezidierter neue Märkte für ihre Produkte eruieren”, meint WTSH Geschäftsführer Dr. Bernd Bösche. “Angesichts der schnellen Veränderungen ist es sinnvoll, sich sowohl auf der Beschaffungs- als auch auf der Absatzseite breiter aufzustellen und damit weniger anfällig zu werden.” Neben den etablierten Zielmärkten sollten dabei auch neue, bisher noch nicht bearbeitete Länder ins Auge gefasst und bearbeitet werden.

Germaniahafen im Sommer

7.     Standorte neu gedacht

Bei der Bewertung von Standorten wird künftig die Verfügbarkeit erneuerbarer, “grüner” Energie immer wichtiger. Insbesondere der Strom der Zukunft muss sauber und dabei verlässlich und bezahlbar sein. Auch für immer mehr Unternehmen ist grüne Energie nicht bloß eine Kür, sondern ein “Must be” und ein Versprechen an ihre Kunden, Netzwerke und die Gesellschaft insgesamt. Und weltweit erkennen Unternehmen wie Standorte, dass grüne Energie nicht nur das Klima schützt, sondern sich zu einem erkennbaren Wettbewerbsvorteil entwickelt. Entsprechend werden Standorte mit hoher und günstiger Produktion von erneuerbaren Energien immer attraktiver. Schleswig-Holstein ist diesbezüglich sehr gut positioniert und wird künftig verstärkt von dieser Entwicklung profitieren. Auch das ist ein erkennbarer Trend für 2022.

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