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AIDER - Eine Kooperation mit europäischer Strahlkraft

Wissenschaft lebt von Kooperation. Und sie entfaltet ihre größte Wirkung, wenn Expertinnen und Experten über Grenzen hinweg zusammenarbeiten. Gerade in der Medizintechnik zeigt sich immer wieder, dass wirklich große Fortschritte entstehen, wenn Menschen über Ländergrenzen hinweg ihr Wissen bündeln. Genau das passiert im europäischen Projekt AIDER, an dem auch die Lübecker Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Magdalena Rafecas vom Institut für Medizintechnik der Universität zu Lübeck beteiligt ist. AIDER steht für Advanced Imaging DEtector for targeted Radionuclide therapy. 

Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland arbeiten eng zusammen

Seit 2025 arbeiten Forscherinnen und Forscher aus Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland gemeinsam an einer neuen Technologie zur Verifizierung der Krebsbehandlung. Und genau hier setzt AIDER an: Das Projekt entwickelt ein neues Bildgebungsverfahren mit der sogenannten Compton-Kamera, die besonders empfindlich ist und dadurch Bilder liefern kann, die bisher nicht möglich waren. Die Compton-Kamera ist nach dem Physik-Nobelpreisträger von 1927, Arthur Holly Compton, benannt. Sie kann Strahlung empfindlicher messen als bisherige Geräte. Ziel ist es, die Technologie der Compton Cameras weiter zu verbessern, damit diese tatsächlich bessere Bilder liefern. Der Nutzen für Patientinnen und Patienten liegt in einer geringeren Belastung für gesundes Gewebe, zielgenaueren Therapiemöglichkeiten insbesondere im Rahmen der so genannten „targeted radionuclide therapy“. Um diese Therapie zu erklären, blicken wir kurz auf den Science Fiction Film „Die fantastische Reise“ aus dem Jahr 1966. Anstatt – wie im Film - ein Miniatur-U-Boot mit zerstörerischen Waffen in den Blutkreislauf einzuschleusen, wird ein Medikament injiziert, dessen Moleküle mit Radioisotopen angereichert wurden. Diese Moleküle sind so konzipiert, dass sie den Tumor aufspüren und sich an ihn anlagern, sodass die durch den radioaktiven Zerfall des Radioisotops freigesetzte Strahlung die Krebszellen zerstören kann. 

Lübeck liefert ein Puzzlestück

Die Arbeitsgruppe von Prof. Rafecas hat in diesem Projekt die Aufgabe, mathematische Modelle und Algorithmen von physikalischen Prozessen  zu entwickeln. Diese Modelle und Algorithmen sind die Detektive: 
Anhand der am Tatort gesammelten Spuren - in Form von gemessenen Daten – findet man den Täter - das Bild.

Die Expertinnen und Experten beschreiben mit ihren Modellen, wie die Detektoren auf Gamma-Strahlung reagieren. Denn die Rohdaten, die ein Gerät misst, sind zunächst nur Zahlen – und noch kein Bild. Erst durch die in Lübeck entwickelten Verfahren werden daraus klare, medizinisch aussagekräftige Aufnahmen. Außerdem korrigieren die Algorithmen Fehler und Störeffekte, die die Bildqualität sonst verschlechtern würden. So trägt das Lübecker Team entscheidend dazu bei, Tumorgewebe künftig noch genauer darzustellen, Behandlungen zielgenauer und gleichzeitig schonender zu machen. „AIDER lebt vom gemeinsamen Arbeiten. Lübeck ist Teil eines starken internationalen Konsortiums, in dem Zusammenarbeit auf Augenhöhe den Ausschlag gibt. Der besondere Wert des Projekts entsteht aus dem gemeinsamen Denken und Handeln über Standorte hinweg. Denn echte Stärke entwickelt sich dort, wo Partner auf Augenhöhe zusammenarbeiten“, so Projektleiterin Prof. Dr. Magdalena Rafecas. 

Geförderte Kooperation

Am Projekt beteiligt sind neben den Forschungsgruppen am spanischen Instituto de Física Corpuscular und dem Lübecker Institut für Medizintechnik auch die Universität Claude Bernard in Lyon mit ihren angeschlossenen Einrichtungen sowie die dortige Klinik Centre Léon Bérard. Außerdem wirken das forschungsstarke Unternehmen DAMAVAN Imaging aus Frankreich, die Polytechnische Universität Mailand in Italien und der Verband der Eltern krebskranker Kinder der Region Valencia mit. AIDER wird im Rahmen des Euratom-Programms für Forschung und Ausbildung mit insgesamt 3,5 Millionen Euro gefördert. Die Koordination liegt bei der spanischen staatlichen Forschungsagentur CSIC.

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