Cobots und KMU – ein Match?
Wie Cobots den Mittelstand voranbringen können
Automatisierung muss heute kein Großprojekt mehr sein. Kollaborative Roboter - so genannte Cobots - ermöglichen kleinen und mittleren Unternehmen einen einfachen Einstieg. Sie sind flexibel einsetzbar, vergleichsweise schnell integriert und mit klar messbarem Nutzen für Produktivität und Entlastung im Team. Wie gelingt der Einstieg - und wo lohnt er sich wirklich? WTSH-Innovationsberater Heiko Oeverdiek gibt klare Antworten für die Praxis. Ein Gespräch über schnelle Aha-Momente, typische Stolpersteine und die wichtige Frage, wann sich der Einsatz von Cobots rechnet.
WTSH online Redaktion: Was verbirgt sich eigentlich hinter Cobots? Kannst du ein anschauliches Beispiel nennen, wo und wie zum Einsatz kommen?
Heiko Oeverdiek: Cobots sind Roboter, die direkt mit Menschen zusammenarbeiten können. Sie sind flexibel, leicht zu bedienen und lassen sich meist ohne große Umbauten integrieren und benötigen anders als ihre "großen Brüder", den Industrierobotern in der Regel keine Sicherheitsabsperrungen.
WTSH online Redaktion: Wo sind sie für KMU interessant und wo lohnt sich der Einsatz besonders?
Heiko Oeverdiek: Für KMU heißt das, dass die Automatisierung planbarer und schneller umsetzbar wird und noch deutlich schneller am Tagesgeschäft ist als noch vor wenigen Jahren. Cobots lohnen sich vor allem dort, wo Prozesse Zeit und Kraft kosten. Zum Beispiel bei wiederkehrenden Handgriffen, wie dem Bestücken einer Maschine, körperlich belastenden Tätigkeiten, wie zum Beispiel beim Verpacken. Oder bei Aufgaben, die sehr präzise ausgeführt werden müssen, wie zum Beispiel bei der Qualitätssicherung. Hier lassen sich schnell spürbare Effekte erzielen. Der richtige Einsatz von Cobots führt zu stabileren Abläufen, weniger Fehlern und Entlastung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Weitere Beispiele geben wir auch auf unserer Veranstaltung "Cobots & KMU - Ein Match".
WTSH online Redaktion: Wie sind Cobots aus Kostengesichtspunkten zu betrachten: Ist der Einstieg aufwändig oder kostspielig?
Heiko Oeverdiek: Viele Unternehmen sind überrascht, wie überschaubar der Einstieg inzwischen ist. Erste Anwendungen lassen sich oft in wenigen Wochen umsetzen. Besonder häufig zum Beispiel bei der Verpackung und Etikettierung von Produkten und vielfach auch in der Qualitätskontrolle – hier zum Beispiel optisch mit Hilfe einer Kamera. Und was die Kosten anbelangt, kann man sagen, dass sich eine Investition von Cobots innerhalb von ein bis eineinhalb Jahren amortisiert hat.
WTSH online Redaktion: Gibt es Grenzen beim Einsatz von Cobots?
Heiko Oeverdiek: Cobots sind bewusst auf Sicherheit ausgelegt. Sie arbeiten langsamer als Industrieroboter und haben auch eine geringe Traglast. Für sehr schnelle oder schwere Prozesse sind sie eher nicht geeignet. Zudem braucht es eine saubere Planung und die Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
WTSH online Redaktion: DeinTipp für den Einstieg?
Heiko Oeverdiek: Ich würde empfehlen, mit einem klaren Anwendungsfall zu starten. Zum Beispiel mit einer Aufgabe, die heute viel Zeit bindet oder belastet. Pilotprojekte helfen, schnell Erfahrungen zu sammeln und intern Sicherheit aufzubauen. Wichtig ist, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Anfang einzubeziehen. Wer diese Schritte geht, erkennt oft schneller als erwartet den praktischen Nutzen. Entscheidend ist, klein zu starten und gezielt vorzugehen.
Fazit:
Cobots bieten insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen einen unkomplizierten Einstieg in die Automatisierung. Wer mit einem klaren Anwendungsfall startet und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter frühzeitig einbindet, kann schnell von effizienteren Prozessen, einer spürbaren Entlastung und einer raschen Amortisation profitieren.
Das Interview führte: Ute Leinigen
Ihre Ansprechperson

