Der Sound des Nordens
80 Jahre Musik in Schleswig-Holstein
Wer an Schleswig-Holstein denkt, der denkt an Wind und Wasser, Strand und Meer, gelbe Rapsfelder und schwarzbunte Kühe auf grünen Wiesen. Aber Musik? Ja, gerade hier gibt es eine historisch gewachsene, außergewöhnlich bunte Musiklandschaft, die ihresgleichen sucht: Von Jimi Hendrix bis Johannes Brahms, von Timmendorfer Strand bis Sønderjylland. Eine Stippvisite zu den musikalischen Highlights der letzten 80 Jahre Schleswig-Holstein.
1950er Jahre
Ein Kulturereignis, das sich – zumindest fast – seit der Gründung Schleswig-Holsteins vor 80 Jahren bis heute gehalten hat und jeden Sommer aufs Neue Zehntausende Besucherinnen und Besucher verzaubert, ist der Festspielsommer in Eutin. Zu Ehren des Komponisten Carl Maria von Weber erklingen hier seit 1951 jährlich Opern und Operetten auf der Bühne am See.
Das Opernhaus Kiel, das während des Zweiten Weltkriegs bei Luftangriffen schwer beschädigt worden war, wurde von 1950 bis 1953 unter der Leitung der Architekten Heinrich Hansen und Guido Widmann wieder aufgebaut. Passend zum Start der Kieler Woche am 21. Juni 1953 wurde die Oper mit einer opulenten Aufführung von Beethovens „Fidelio“ – des gleichen Stücks, mit dem die Oper im Jahr 1907 erstmals eröffnet wurde – wieder in Betrieb genommen.
1960er Jahre
„Das alte Kieler Schloss, das 1944 nach einem Bombenangriff ausbrannte, war einmal eines der bedeutendsten Bauwerke der Renaissance in Schleswig-Holstein […] “, schreibt das Landesamt für Denkmalpflege. Nach der Ausschreibung eines Architekturwettbewerbes wurde hier von 1961bis 1963 ein Kulturzentrum errichtet, das unter anderem einen großen Konzertsaal beherbergte. Dieser wurde jüngst denkmalgerecht umfangreich saniert und am 10. Januar 2026 feierlich wiedereröffnet. Jährlich finden hier ca. 300 Veranstaltungen mit rund 200.000 Besucherinnen und Besuchern statt.
1970er Jahre
Den Auftakt des Jahrzehnts macht kein Geringerer als Jimi Hendrix, der vom 4. bis 6. September 1970 nach Fehmarn reist, um vor 20.000 Hippies auf dem Love & Peace-Festival sein letztes Open-Air-Konzert zu spielen. Am Flügger Strand erinnert bis heute ein Gedenkstein an die viel zu früh verstorbene Gitarren-Legende.
1973 erhebt das Land Schleswig-Holstein die zuvor in Rang und Namen wechselnde Ausbildungsstätte für Musik in den Status der Musikhochschule Lübeck (MHL). Heute ist die MHL eine international hoch angesehene Institution für Musik mit über 500 Studierenden aus 50 Nationen.
Ein Jahr darauf, 1974, wird das Schleswig-Holsteinische Landestheater und Sinfonieorchester ins Leben gerufen, das heute seinen Sitz in Rendsburg hat und mit weit über 600 Vorstellungen und Konzerten von der dänischen Grenze bis zur Elbe und zwischen Nord- und Ostsee unmittelbar vor Ort ist.
Als Nachfolgeorganisation der „AG Musikpädagogik und Musikpflege in Schleswig-Holstein (AMMS)“ wird 1978 der Landesmusikrat gegründet: Seitdem gibt er der Musik eine politische Stimme, er berät Musikinstitutionen, das Land und die Kommunen Schleswig-Holsteins, er führt Projekte wie zum Beispiel „Jugend musiziert“ durch und ist Träger der vier Landesjugendensembles.
1980er Jahre
Im politisch bewegten Jahrzehnt der 1980er Jahre hält insbesondere das Jahr 1986 für Schleswig-Holstein zwei musikalische Meilensteine bereit, die bis heute in den Ohren der Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner nachklingen:
Das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF), gegründet im Vorjahr durch Justus Frantz, dem damaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel und Bundeskanzler Helmut Schmidt, findet zum ersten Mal statt. Heute ist das SHMF eins der größten Flächenfestivals in Europa mit 205 Konzerten (2026) an zum Teil ungewöhnlichen Spielorten in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und dem Süden Dänemarks. Das Motto „Let‘s make music as friends“ der von Leonard Bernstein 1987 ins Leben gerufenen internationalen Orchesterakademie prägt bis heute die Spitzenförderung des klassischen Nachwuchses, der als Schleswig-Holstein Festival Orchestra unter der Leitung von Weltklasse-Dirigentinnen und -Dirigenten zusammentritt.
Am 1. Juli 1986 nimmt Radio Schleswig-Holstein sein Programm auf und gilt damit als erster privater Radiosender Deutschlands. Ines Barber spricht als Moderatorin die ersten Worte des Senders: „Es ist fünf vor zwölf“ und spielt den Musiktitel „Do It Again“ der Beach Boys.
1990er Jahre
Am 24. und 25. August 1990 findet im beschaulichen Wacken – zwischen Itzehoe und Nord-Ostsee-Kanal – mit 800 Besucherinnen und Besuchern ein Heavy-Metal-Wochenende statt, mit dem die jungen Veranstalter der ländlichen Idylle des kleinen Ortes mehr Leben einhauchen wollen. 36 Jahre später – am ersten Augustwochenende 2026 – werden über 100.000 Menschen aus aller Welt hier das Wacken Open Air feiern, das über die Jahre mit großer Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus zu einem der beliebtesten und bekanntesten Heavy-Metal-Festivals der Welt geworden ist.
Ein Jahr später feiert, ebenfalls in malerischer Landschaft, ein weiteres Festival seine Premiere: JazzBaltica lädt 1991 erstmals Musikerinnen und Musiker aus den Ostsee-Anrainerstaaten ein, um in der Konzertscheue von Schloss Salzau gemeinsam Musik zu machen. 2002 übernimmt die Stiftung Schleswig-Holstein Musik Festival die Organisation des Festivals, das heute unter der künstlerischen Leitung von Star-Posaunist Nils Landgren und mit einer begeisterten Fangemeinde jährlich in Timmendorfer Strand stattfindet.
Das dritte Festival, das in den beginnenden 1990er Jahren in Schleswig-Holstein zum ersten Mal erklingt, ist das Brahms-Festival Lübeck – eine Hommage an den berühmten Komponisten Johannes Brahms, der seine familiären Wurzeln in Heide hat. Die Brahms-Gesellschaft hat ebendort 1990 sein vormaliges Elternhaus zum Ausstellungsort Brahms-Haus hergerichtet.
Die Musik- und Kongresshalle Lübeck, kurz MUK, ist heute ein kulturelles Zentrum, das aus der Lübecker Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken ist und in dem jedes Jahr über 300 Veranstaltungen über die Bühne gehen. Mit ihrem umfassenden Nachhaltigkeitsmanagement ist die MUK Vorreiterin für ökologisch verantwortungsbewusstes Handeln und eine der erfolgreichsten nachhaltigsten Veranstaltungsstätten in Deutschland. Am 1. Oktober 1994 wurde sie eröffnet.
2000er Jahre bis heute
In der lebendigen deutsch-dänischen Grenzregion Schleswig-Holsteins und Sønderjyllands hat sich seit 2005 das jährliche Festival folkBALTICA zu einem der wichtigsten Musik- und Kulturereignisse der Region entwickelt. Wenig verwunderlich, denn die Künstlerinnen und Künstler des Ostseeraums nähern sich ihrem musikalischen Erbe mit einem neugierigen, experimentellen Blick, der „Horizonte“, so der Titel des diesjährigen Festivals, öffnet.
Ob Fettes Brot, Wincent Weiss, Michael Schulte, Santiano, die Leoniden oder Deine Freunde – um hier nur eine bunte Auswahl zu nennen: Schleswig-Holstein hat auch in Sachen Popkultur einiges zu bieten und bringt immer wieder Musik hervor, die Schleswig-Holstein einem (inter-) nationalen Publikum bekannt macht.
Seit seiner Gründung vor 80 Jahren hat Schleswig-Holstein erstklassige Musikkultur und -struktur hervorgebracht: Köpfe, Klänge und Orte, die den besonderen Flair des echten Nordens spiegeln – Weite, Vielfalt und Ideenreichtum.
Mit der typisch schleswig-holsteinischen Mentalität des „einfach machen“ und „ich kenne da jemanden, der jemanden kennt“ haben sich im echten Norden in allen Landesteilen und grenzüberschreitend, in unterschiedlichen Genres und Formaten, für Groß und Klein und Jung und Alt, für Einheimische und Urlaubende in den letzten 80 Jahren musikalische Leuchttürme entwickelt, die so viel mehr sind als „nur“ Wellenrauschen.
Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern stellt eine Auswahl von Entwicklungen dar, die sich seit der Gründung Schleswig-Holsteins ereignet haben.
Bleiben Sie gespannt!
Wir stellen 2026 die Highlights aus 80 Jahren Wirtschafts-Geschichte im echten Norden vor. Lassen Sie sich überraschen von der Vielfalt Schleswig-Holsteins, den Pionieren, den Macherinnen und den Meilensteinen aus 80 Jahren.

