Die USA - Wichtiger Markt und Innovationsökosystem
Wie Chancen in den USA realisiert werden können
Ob Life Science, erneuerbare Energien, maritime Technologien oder Künstliche Intelligenz: Für viele Unternehmen aus Schleswig-Holstein bieten die USA interessante Wachstums- und Kooperationsmöglichkeiten. Gleichzeitig unterscheidet sich der amerikanische Markt deutlich von Europa und erfordert eine gezielte Vorbereitung. Im Gespräch erläutert Kristin Asmussen von der WTSH Außenwirtschaftsberatung, welche Chancen sich aktuell bieten, welche Herausforderungen häufig unterschätzt werden und wie Unternehmen den passenden Einstieg in den US-Markt finden können.
WTSH-Onlineredaktion: Warum sind die USA für deutsche Unternehmen ein so attraktiver Markt?
Kristin Asmussen: Die USA vereinen drei Dinge, die für Unternehmen besonders attraktiv sind: einen sehr großen Absatzmarkt, hohe Investitionsdynamik und weltweit führende Innovationsökosysteme. Für deutsche Unternehmen sind die USA zudem ein zentraler Handelspartner. 2024 waren die USA Deutschlands wichtigster Handelspartner; 2025 lag China beim gesamten Warenhandel wieder knapp vor den USA. Als Exportmarkt bleiben die USA jedoch weiterhin der wichtigste Zielmarkt für deutsche Unternehmen.
Langfristig attraktiv sind vor allem die Marktgröße, die Innovationsgeschwindigkeit und die hohe Bereitschaft, neue Technologien schnell zu testen und zu skalieren. Das gilt besonders für Bereiche wie Life Science, erneuerbare Energien, KI, digitale Geschäftsmodelle sowie Sicherheits- und Dual-Use-Technologien.
Die USA bieten Chancen auf verschiedenen Ebenen: als Absatzmarkt, als Standort für Kooperationen, als Innovationsquelle und als Markt für strategische Partnerschaften. Besonders spannend ist, dass sich wirtschaftliche Stärke und Innovation stark regional konzentrieren — etwa in Boston für Life Science, im Silicon Valley für Tech und Innovation oder in Texas für Energie.
WTSH-Onlineredaktion: Welche Chancen bieten sich aktuell für Unternehmen aus Schleswig-Holstein – und warum lohnt sich gerade jetzt ein strategischer Blick auf die USA?
Kristin Asmussen: Gerade weil der Markt herausfordernder geworden ist, lohnt sich ein strategischer Blick. Themen wie Zölle, regulatorische Anforderungen, geopolitische Veränderungen und Standortfragen machen deutlich: Die USA sind kein Markt, den man „nebenbei“ erschließt. Unternehmen sollten Chancen und Risiken frühzeitig einordnen und gezielt prüfen, welche Region, welches Netzwerk und welcher Marktzugang zu ihnen passen. Für Schleswig-Holstein sehe ich insbesondere Anknüpfungspunkte in Life Science und MedTech, erneuerbaren Energien und Wasserstoff, maritimen Technologien, Digitalisierung und KI sowie Sicherheits- und Verteidigungsindustrie beziehungsweise Dual Use. Entscheidend ist dabei weniger „die USA“ als Gesamtmarkt, sondern vielmehr die passende Region und das richtige Innovationsökosystem.
WTSH-Onlineredaktion: Worauf kommt es bei der Wahl des richtigen Standorts und beim Aufbau eines erfolgreichen US-Engagements an?
Kristin Asmussen: Wichtig ist zu verstehen, dass die USA nicht als ein homogener Markt funktionieren. Je nach Branche können völlig unterschiedliche Regionen relevant sein: Boston für Life Science, Kalifornien für Digital Health und Innovation, Texas für Energie, Minnesota für MedTech oder der Großraum Washington D.C. für Sicherheits- und Verteidigungsthemen. Die richtige Standortwahl ist deshalb ein strategischer Erfolgsfaktor.
Eine sehr große Rolle spielen Förderprogramme, Arbeitsmarkt und Innovationsökosysteme. Förderprogramme und industriepolitische Initiativen können Investitionsentscheidungen erheblich beeinflussen, etwa im Energie-, Halbleiter- oder Produktionsbereich. Gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt in vielen Regionen sehr wettbewerbsintensiv. Innovationsökosysteme sind oft der Schlüssel zum Erfolg: Der Zugang zu Clustern, Universitäten, Investoren, Acceleratoren und regionalen Netzwerken entscheidet häufig darüber, ob Unternehmen wirklich Fuß fassen.
Erfolgreiche Unternehmen gehen fokussiert vor. Sie wissen, welche Region und Zielgruppe sie adressieren, bauen früh Netzwerke auf, holen sich lokale Expertise dazu und planen ausreichend Ressourcen ein. Weniger erfolgreiche Engagements starten oft zu breit, ohne klare Priorisierung oder ohne ausreichendes Verständnis für die Marktmechanismen.
WTSH-Onlineredaktion: Welche Herausforderungen werden beim Markteintritt häufig unterschätzt?
Kristin Asmussen: Positiv unterschätzen viele Unternehmen die Offenheit und Dynamik des Marktes. Wenn eine Lösung überzeugt, können Gespräche, Pilotprojekte oder Partnerschaften oft sehr schnell entstehen.
Gleichzeitig unterschätzen Unternehmen häufig den Ressourcenbedarf: Vertrieb, Recht, Regulierung, Finanzierung, Personal und Präsenz vor Ort sind deutlich anspruchsvoller und kostenintensiver, als es auf den ersten Blick wirkt. Häufig scheitern Unternehmen an zu wenig Vorbereitung, zu optimistischen Erwartungen oder fehlender lokaler Verankerung. Viele unterschätzen, wie wichtig ein klares Nutzenversprechen, belastbare Partner, ausreichende Ressourcen und ein langer Atem sind. Der US-Markt ist groß, aber zugleich teuer, schnell und sehr wettbewerbsintensiv.
Unternehmen sollten sich vorab einige zentrale Fragen stellen: Warum USA? Welche Region passt zu meinem Produkt? Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? Wer sind die richtigen Partner? Welche regulatorischen Anforderungen gibt es? Und ganz wichtig: Ist das Unternehmen bereit, den Markt langfristig und aktiv zu bearbeiten? Das hängt stark von Branche, Geschäftsmodell und Markteintrittsform ab. In vielen Fällen sollte man eher in Jahren als in Monaten denken. Erste Kontakte oder Pilotprojekte können zwar schnell entstehen, nachhaltiger Markterfolg braucht jedoch Zeit, Vertrauen und kontinuierliche Präsenz.
WTSH-Onlineredaktion: Was verbindet Sie persönlich mit den USA?
Kristin Asmussen: Für mich sind die USA persönlich spannend, weil ich beide Perspektiven kenne: die schleswig-holsteinische und die amerikanische. Mich fasziniert die Offenheit gegenüber neuen Ideen, die Geschwindigkeit, mit der Dinge ausprobiert werden, und der Mut, groß zu denken. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass der Markt gut vorbereitet angegangen werden muss. Genau diese Verbindung aus Begeisterung und realistischer Einordnung möchte ich in meiner Arbeit einbringen.
Erste Schritte
Einen guten Einstieg in die USA bieten die WTSH, die AHKs in den USA, Germany Trade & Invest sowie regionale Netzwerke, Cluster und Wirtschaftsförderungen vor Ort. Unser Ziel ist es, Unternehmen aus Schleswig-Holstein dabei zu helfen, Informationen zu strukturieren, relevante Ansprechpartner zu identifizieren und passende Netzwerke aufzubauen.
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