Hidden Champions aus dem echten Norden
Manche Erfindungen sind so genial und zugleich so wirkungsvoll, dass sie sich schnell auf der ganzen Welt durchsetzen. Dabei bemerken wir sie manchmal nicht einmal. „Viele dieser Produkte sind selbst hier im Norden kaum bekannt – und dabei steckt dahinter oft Erstaunliches“, sagt WTSH-Geschäftsführerin Ulrike Wielatt. Leuchtende Wegweiser hoch über den Wolken, Miniatur-Highend-Technologien für mehr Sicherheit, digitale Verkehrsleittechnik und autonome Navigation: Freuen Sie sich auf eine kleine Reise durch Schleswig-Holstein zu Innovationstreibern mit Pioniergeist.
Adolf Nissen Elektrobau: Mit Sicherheit weltweit erfolgreich
Wer im Straßenverkehr an einer Baustelle vorbeifährt, nimmt sie meist nur flüchtig wahr: Warnleuchten blinken, Leitbaken weisen den Weg, Absperrschrankengitter sichern den Arbeitsbereich und LED-Wechselverkehrszeichen warnen rechtzeitig vor einer Gefahrenstelle. Was viele nicht wissen: Ein großer Teil dieser Produkte stammt aus Schleswig-Holstein – genauer gesagt aus Tönning in Nordfriesland. Die Firma Nissen zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Lösungen für die mobile Verkehrssicherung und entwickelt seit mehr als 100 Jahren Technologien, die die Straßen weltweit sicherer machen und dafür sorgen, dass der Verkehr sicher, zuverlässig und effizient fließt.
Den Grundstein legte Unternehmensgründer Adolf Nissen bereits 1914 mit der Entwicklung innovativer Zündanlagen für Kraftfahrzeuge, für die er Patente in mehreren Ländern anmeldete. Mitte der 1950er Jahre richtete das Unternehmen seinen Fokus auf die mobile Verkehrssicherung. Mit der Entwicklung der ersten elektrischen Warnleuchte gelang der entscheidende Durchbruch. Seither prägen zahlreiche Innovationen – von Warnleuchten und Leitbaken über mobile LED-Wechselverkehrszeichen bis hin zu intelligenten Steuerungs- und Softwaresystemen – die Entwicklung der Branche.
Heute beschäftigt Nissen rund 275 Mitarbeitende und gehört zu den größten Industrieunternehmen Nordfrieslands. Die Erfolgsgeschichte von Nissen zeigt eindrucksvoll, dass internationale Marktführerschaft und regionale Verbundenheit kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Innovationskraft, technische Kompetenz und eigene Entwicklungen am Standort in Tönning bilden seit Generationen die Grundlage für den weltweiten Erfolg des Unternehmens.
Designa: Kieler Jung und Global Player
Aus Schleswig-Holstein kommt noch ein weiteres Unternehmen der Verkehrsleittechnik. Das schon 1951 in Kiel-Projensdorf gegründete Unternehmen Designa ist – mittlerweile weltweit – absoluter Spezialist für hochmoderne digitale Parkraumsysteme und liefert maßgeschneiderte Mobilitätslösungen, die international geschätzt werden.
Die Liste der Referenzen des Kieler Unternehmens ist beeindruckend: von den Flughäfen in New York, Denver, Sydney, Frankfurt oder Hamburg bis zur gigantischen Mall of the Emirates in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Shopping-Palästen in Australien oder Malaysia. Von den Kliniken in Metropolen wie Philadelphia oder Seattle bis hin zum kompletten Parkkonzept der Metropole Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan.
Designa ist in mehr als 60 Ländern aktiv und besitzt Tochtergesellschaften in Australien, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Mexiko, Südafrika und den USA. In mehr als 17.500 Einrichtungen weltweit verwaltet Designa heute Parksysteme.
D+H Mechatronic AG: Mit Luft und Liebe
Unter dem schmiedeeisernen Dach des Mercado do Bolhão, Portos bekanntestem Lebensmittelmarkt, treffen sich Einheimische wie Urlaubende besonders an Wochenenden, um frische Produkte einzukaufen und Kontakte zu pflegen. Für eine offene, luftige Atmosphäre sorgen die gusseisernen Lamellen des Dachs, die sich – ausgerüstet mit über 250 wetterfesten Zahnstangenantrieben von D+H – der Sonnenposition automatisch anpassen können. Die Waren des Markts sind so vor der direkten Sonneneinstrahlung geschützt.
Mit dem orangefarbenen Rauchabzugtaster schuf das Unternehmen eine internationale Ikone der Branche: der viereckige Melder sorgt in unzähligen Treppenhäusern und Fluren dieser Welt für Sicherheit. Seit Firmengründung im Jahr 1968 wurde er weit über eine Million Mal verkauft. Überhaupt zeichnet sich D+H, die am Standort Ammersbek mit großer Fertigungstiefe „made in Germany“ produzieren, durch Pioniergeist und Innovationsfreude aus. Begonnen als Tüftler-Start-up in der Garage beschäftigt die D+H Gruppe heute über 500 Mitarbeitende europaweit.
Die neueste Produktentwicklung von D+H wurde mit dem German Innovation Award 2026 ausgezeichnet.
Hako: Saubere Lösung
Sauberkeit fällt oft erst auf, wenn sie fehlt. Sie ist entscheidend für Sicherheit, Werterhalt und funktionierende Abläufe in öffentlichen Räumen, Industrie, Logistik und auf Außenflächen. Professionelle Reinigung senkt Unfallrisiken und verbessert Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen.
Mit rund 2.500 Mitarbeitenden weltweit und einem Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro gehört Hako zu den etablierten Maschinenherstellern für die Industrie-, Gebäude- und Außenreinigung sowie die Grundstückspflege und den Winterdienst. Über ein dichtes Distributions- und Servicenetz ist das Bad Oldesloer Unternehmen in mehr als 60 Ländern vertreten.
Gegründet 1948 von Hans Koch, steht Hako seitdem für praxisnahe Technikentwicklung aus Deutschland: von der motorisierten Kleinmotorhacke über den Hakotrac bis zu frühen europäischen Lösungen in der Kehr- und Reinigungstechnik. Heute umfasst das Portfolio Maschinen, Dienstleistungen und digitale Anwendungen. Neue Entwicklungen in den Bereichen Autonomie und Elektromobilität erweitern das Angebot.
Anschütz: Richtige Richtung
Was Albert Einstein und Dr. Hermann Anschütz-Kaempfe gemeinsam haben? Sie waren fasziniert von neuen technologischen Möglichkeiten und besessen von der Suche nach Lösungen für wiederkehrende physikalische Probleme: Zusammen arbeiteten die Freunde an Anschütz‘ epochemachender Erfindung des Kreiselkompasses und standen lange in regem Austausch.
Das Unternehmen, das Hermann Anschütz-Kaempfe 1905 gründete, nahm ab 1908 die Produktion des Kreiselkompasses in Kiel auf. Heute ist Anschütz weltweit führender Experte für Schiffsnavigationssysteme mit mehr als 700 Mitarbeitenden sowie über 200 Vertriebs- und Servicepartnern weltweit. Ihre Mission: Die Seefahrt einfach sicherer zu machen.
Anschütz revolutioniert die Handels- und Marineschifffahrt mit zahlreichen Innovationen und Produkten – angefangen mit dem Kreiselkompass über den mechanischen Ruderanleger bis hin zum integrierten Navigationssystem. Als Teil der Kieler CAPTN Initiative und mit dem einzigartigen maritimen Testfeld auf der Kieler Förde gehört Anschütz heute zu den Innovationstreibern von autonomen Navigationslösungen.
JOB Gruppe: Ultraklein, ultraschnell, ultrasicher
New York Skyline: Das Empire State Building sticht mit 443 Metern Gesamthöhe als eins der eindrucksvollsten Bauwerke der Welt hervor. Sprinkleranlagen im Gebäude stellen sicher, dass sich ein entstehender Brand gar nicht erst ausbreitet. Wie eine Sprinkleranlage „merkt“, dass sie auslösen muss? Eine Glasampulle gefüllt mit einer wärmeempfindlichen Flüssigkeit, die sich bei steigender Temperatur ausdehnt, bringt die Ampulle im Ernstfall zum Zerplatzen.
Das Unternehmen JOB aus Ahrensburg ist Weltmarktführer in der Forschung und Produktion von wärmeempfindlichen Glasampullen für die Sprinklerindustrie, für Automotive und viele weitere Anwendungsbereiche. Seit Gründung der Firma durch Eduard J. Job im Jahr 1971 wurde die Glasampulle für automatisch auslösende Sprinkleranlagen stetig weiterentwickelt und hat sich dadurch zum Standard in der Sprinklerindustrie entwickelt – weltweit sind heute über 2,5 Milliarden JOB Thermo Bulbs im Einsatz.
Mit dem kleinsten Feuerlöscher der Welt hat JOB eine weitere Innovation auf den Markt gebracht: Er kann in elektrische Geräte wie Schaltschränke und Snackautomaten eingebaut werden und schützt im Inneren der Maschinen vor der Gefahr eines Brands. In Zeiten von zunehmender Elektrifizierung, Digitalisierung und Miniaturisierung spielt dieser präventive Ansatz eine entscheidende Rolle.
Permalux: Licht ins Dunkel bringen
Reist man mit dem Flugzeug in die Ferien, möchte man eine Innovation aus Schleswig-Holstein auf keinen Fall zu Gesicht bekommen: das langnachleuchtende bodennahe Rettungsleitsystem der Firma Permalux aus Ahrensburg. Denn das würde bedeuten, dass eine Notfallsituation eingetreten ist – ein Stromausfall oder eine Rauchentwicklung in der Flugzeugkabine.
Schon seit 1995 arbeitet Permalux mit der Lufthansa Technik AG zusammen. Die Rettungsleitsysteme, die entscheidend zur so genannten Evakuierungseffizienz beitragen und mittlerweile in so gut wie jedes Sicherheitskonzept von Flugzeugen, aber auch Schiffen und Gebäuden gehören, hat Permalux sogar für und mit Lufthansa entwickelt. Bei Ausfall der Kabinenbeleuchtung führt das Floor Path Marking System die Passagiere zu den Ausgängen.
Der Name Permalux, früher P.E.R., steht seit der Firmengründung 1993 in Barsbüttel für „PERMALUX Escape Routes“, was die Philosophie des Unternehmens widerspiegelt: die dauerhafte Sicherstellung von Beleuchtung und Energieversorgung in Notsituationen, um sichere Fluchtwege zu garantieren. Weltweit sind die Systeme in circa 10.000 Luftfahrzeugen im Einsatz.

