Schleswig-Holstein bunt gescheckt
80 Jahre Landwirtschaft in Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein ist bis heute neben Mecklenburg-Vorpommern das Bundesland in Deutschland mit der größten landwirtschaftlich genutzten Fläche im Verhältnis zur Bodenfläche insgesamt. Von der Marsch an der Westküste, über die Hohe Geest und die Vorgeest in der Mitte bis zum grünen Hügelland im Osten prägt die Landwirtschaft den echten Norden im Landschaftsbild und gibt Identität – und das gestern wie heute. Ein kurzer historischer Abriss zeigt Wendepunkte und Meilensteine der vergangenen 80 Jahre Landwirtschaft und Landleben in Schleswig-Holstein. Welche Entwicklungen zeichnen sich heute ab, unter anderem bedingt durch eine zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt?
Strukturwandel der Nachkriegszeit
Kurz nach der offiziellen Gründung Schleswig-Holsteins veränderte das so genannte Flurbereinigungsgesetz, das am 1. Januar 1954 in Kraft trat, das Leben und Arbeiten der Menschen auf dem Land von Grund auf. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hatten viele Bauern rund um ihr Dorf kleine Flächen zur Bewirtschaftung besessen und mit ihren Tieren bestellt. Nun sollten die vielen kleinen Flurstückchen zusammengelegt und unter dem Einsatz von Maschinen – zum Beispiel mobile Dampfmaschinen, die Dreschmaschinen oder Pflüge antreiben konnten – effizienter bearbeitet werden. Von dem Motto „Wachse oder weiche“ profitierten insbesondere die Landwirte, die schon größere Flächen besaßen. Bis Ende der 1970er Jahre hatten in ganz Deutschland rund eine Million kleine landwirtschaftliche Betriebe aufgegeben.
Die Umgestaltung der bewirtschafteten Flächen im Zuge der Flurbereinigung führte auch dazu, dass viele Tausend Kilometer landestypischer „Knicks“ verschwanden: die aus Hecken und Sträuchern bestehenden Abgrenzungen zwischen den Äckern, in denen unzählige Vogel- und Insektenarten ihre Heimat finden. Der Wegfall dieses Lebensraums Knick führte zu einem massiven Rückgang der Arten, der bis heute zu spüren ist.
Fortschritt und Flächennutzung
Mit der Weiterentwicklung von landwirtschaftlichen Produktionsweisen wie dem Einsatz moderner Maschinen und Dünge- und Pflanzenschutzmitteln auf den Feldern, Ställen und Zuchtfortschritten bei Pflanzen und Tieren gelingt es Landwirtinnen und Landwirten heute, wesentlich höhere und sicherere Erträge zu erzielen als noch vor 80 Jahren. Pro Hektar Land erwirtschaften die Bauern heute beispielsweise einen mehr als doppelt so hohen Ertrag an Weizen wie noch vor gut 50 Jahren. Ernährte ein Landwirt 1950 noch rund 10 Personen, erzeugte er 2020 Agrar- und Ernährungsgüter für rund 139 Personen.
Ein langfristiger Trend, der sich in der schleswig-holsteinischen wie in der bundesdeutschen Landwirtschaft insgesamt seit Jahren abzeichnet, besteht darin, die vorhandenen Flächen unternehmerisch auch anders zu nutzen als für die klassische landwirtschaftliche Produktion. Ziel ist es, so weiteres Einkommen zu generieren: beispielsweise durch Tourismus auf dem Bauernhof oder die Direktvermarktung im eigenen Hofladen. Dabei hilft natürlich das Internet. Durch die Digitalisierung werden Wege kürzer, die Kommunikation mit Verbraucherinnen und Verbrauchern wird leichter, die Selbstdarstellung zugleich wichtiger und anspruchsvoller.
Auch die Erzeugung und Vermarktung Erneuerbarer Energien, beispielsweise durch Windernte vom eigenen Acker oder durch Solarzellen auf dem Kuhstalldach, ist ein wachsendes Segment.
Von Elektromobilität bis Robotik
Wird Energie auf dem Betriebsgelände selbst erzeugt, ist eine möglichst hohe Eigenverbrauchsquote oft am wirtschaftlichsten, da Betriebskosten signifikant gesenkt werden können. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind seit wenigen Jahren elektrisch betriebene Traktoren und Hoflader serienmäßig auf dem Markt. Darüber hinaus bietet die Möglichkeit, Energie zu speichern, Chancen auf Gewinn: sei es über Batteriespeicher- oder auch Veredlungssysteme wie Wasserstoff. Zugleich leisten die Landwirte so einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen.
Eindrucksvoll erleben kann man den Einzug von hochmoderner Technik, Automatisierung und Digitalisierung im Kuhstall auf der landwirtschaftlichen Fachausstellung und Verbrauchermesse NORLA, die jährlich in Rendsburg stattfindet. Neben Themen rund um Landwirtschaft, Haus und Garten, Ernährung und Erneuerbaren Energien wird hier ein Milchvieh-Schaustall mit zehn Kühen gezeigt, die vollautomatisiert versorgt werden. Alle anfallenden Arbeiten wie das Melken, Füttern und Reinigen der Kühe wird durch Roboter erledigt.
Bleiben Sie gespannt!
Wir stellen 2026 die Highlights aus 80 Jahren Wirtschafts-Geschichte im echten Norden vor. Lassen Sie sich überraschen von der Vielfalt Schleswig-Holsteins, den Pionieren, den Macherinnen und den Meilensteinen aus 80 Jahren.

