Wie funktioniert Tourismusakzeptanz?

Standortberaterin Petra Stangenberg

Lange Zeit waren einige Regionen in Schleswig-Holstein echte Geheimtipps. Doch seit Corona hat sich das geändert, denn in dieser Zeit wurden Regionen und Orte, die zuvor wenig besuchte Geheimtipps waren, zu Hotspots. Vielen Bewohnern war das zu viel. Ein Grund dafür, dass die kritische Auseinandersetzung mit Tourismusprojekten zugenommen hat – nicht nur in Schleswig-Holstein. Wie schafft man es, Tourismus im Einklang zwischen Touristen und den Bewohnern vor Ort zu schaffen? Ein Gespräch mit Petra Stangenberg, WTSH Ansiedlungsberaterin für Hotel- und Tourismusprojekte zum Thema Tourismusakzeptanz.

WTSH online Redaktion: Frau Stangenberg, Sie betreuen seit vielen Jahren Projektentwickler und Investoren bei der Umsetzung und Planung von Hotel – und Tourismusprojekten in Schleswig-Holstein. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach das Thema Tourismusakzeptanz für die Entwicklung einer Destination?

Petra Stangenberg: Inzwischen immens wichtig! Die Einstellung der Bewohner zum Tourismus oder Tourismusprojekten ist einer der entscheidenden Faktoren für den Erfolg einer Destination. Eine positive Tourismusentwicklung kann nur funktionieren, wenn die grundlegende Akzeptanz in der Bevölkerung vorhanden ist. 

WTSH online Redaktion: Wie kann man Ihrer Meinung nach Akzeptanz schaffen?

Petra Stangenberg: Die Hintergründe für eine ablehnende Haltung zum Tourismus sind vielfältig und in jedem Ort individuell. Sogar spontane Einflüsse, und Anlässe können eine Rolle spielen. Das hat auch eine Studie von dwif-consulting ergeben. Jeder Ort sollte also individuell betrachtet werden. Will man Akzeptanz schaffen, sind die wichtigsten Stichworte: Transparenz und Partizipation. Das bedeutet, von Anfang an alle mitzunehmen mit einer Kommunikationsstrategie, die die Ansprache an alle Zielgruppen berücksichtigt. 

WTSH online Redaktion: Welchen Weg wird das Tourismusland Schleswig-Holstein gehen, um mehr Akzeptanz zu schaffen?

Petra Stangenberg: Das Thema Tourismusakzeptanz ist auch ein Begleiter in der neuen Landes-Tourismusstrategie 2030 und hat Auswirkungen darauf, wo und wie künftig Destinationen entwickelt werden können. 

WTSH online Redaktion: Können Sie das kurz erklären?

Petra Stangenberg: Während in den vergangenen Jahren der Ausbau der touristischen Infrastruktur und des Angebotes insbesondere an den Küsten im Fokus stand, herrscht hier an vielen Orten nun eine gute Durchmischung von Angeboten. Nun muss man Sorge tragen, dass an den Hotspots die Akzeptanz für „noch mehr Projekte“ nicht ins Wanken gerät. In diesem Zusammenhang werden wir in Schleswig-Holstein nun stärker das Binnenland mit seinem hohen Freizeitwert fördern, während in den Hotspots an den Küsten vor allem Qualitätsverbesserungen vorgenommen werden sollen. Im Binnenland besteht noch ein großer Nachholbedarf bei der Entwicklung naturnaher, nachhaltiger Projekte. Es geht nicht darum, alle Potenziale auszuschöpfen, sondern mit Bedacht, Potenziale zu erarbeiten. Aber auch hier gilt: Akzeptanz schaffen.

WTSH online Redaktion: Was unterstützen Sie Projektentwickler und Investoren aber auch Kommunen auch im Hinblick auf die erfolgreiche Entwicklung von Tourismusprojekten?

Petra Stangenberg: Wichtig ist, immer wieder deutlich zu machen, dass ein Projekt, ein Hotel zur Region und zum Ort passen muss. Dabei unterstützen wir mit unserem Blick auf das Land, in der Hinterhand unsere Netzwerke, an der Schnittstelle zu den Kommunen und zur Politik. Wir unterstützen Investoren auch dabei, nicht den dritten Schritt vor dem ersten zu machen, soll heißen: Wir achten darauf, dass Investoren sich nicht in Fallstricken verheddern und möglichst alles berücksichtigen. Wohnraumschlüssel, Küstenschutzrichtlinie, Waldumwandlung – das sind nur einige Stichworte, hinter denen sich echte Fallstricke verbergen können. Wir versuchen diese im Vorwege bereits zu eruieren. Und zu guter Letzt bin ich der Meinung, dass auch ein Investor zur Region, zum Ort passen muss. Es ist wie im Leben – die Chemie muss stimmen, dann klappt es auch mit der Akzeptanz.

Das Interview führte Ute Leinigen

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