Wirtschaftsland am Wasser
Die maritime Wirtschaft gehört zu Schleswig-Holstein wie die einmalige geografische Lage des Landes zwischen Nord- und Ostsee. Allerdings hat sich die Branche in den vergangenen 80 Jahren massiv gewandelt. Erlebten in den 1950er- und 60er-Jahren Werften und Reedereien einen starken Aufschwung, sorgten Strukturwandel und internationale Konkurrenz ab den 1970er-Jahren für eine schrittweise Neuorientierung. Neben Häfen, Logistik und spezialisiertem Schiffbau gewannen in den folgenden Jahrzehnten auch maritime Dienstleistungen, Forschung und Hightech stark an Bedeutung. Heute prägen zusätzlich Offshore-Windenergie, Blaue Technologien und Küstenschutz einen der bedeutendsten Wirtschaftszweige im echten Norden.
Über 90 Prozent des interkontinentalen Warenaustauschs laufen über den Seeweg
Rund 60 Prozent seiner Exporte transportiert Deutschland per Schiff.
Aufbruch und neue Perspektiven
Als Schleswig-Holstein 1946 gegründet wird, sind die Folgen des Krieges auch in den Häfen und Werften deutlich sichtbar. Gleichzeitig wächst die Bedeutung der Küstenstandorte für Versorgung, Handel und Beschäftigung. Der Wiederaufbau der Werften in Kiel, Flensburg, Lübeck und an der Unterelbe schafft Arbeitsplätze und neue Perspektiven. In Kiel entsteht mit dem neuen Seefischmarkt ein internationales Zentrum der Hochsee- und Kutterfischerei. Über den Nord-Ostsee-Kanal nehmen internationale Warenströme wieder Fahrt auf und die maritimen Branchen werden zu einem wichtigen wirtschaftlichen Motor für das junge Schleswig-Holstein.
Boom und Krise im Schiffbau
In den folgenden Jahrzehnten entwickelt sich der echte Norden zu einem bedeutenden maritimen Wirtschaftsstandort. Nachdem Mitte der 50er-Jahre insbesondere der Schiffbau einen regelrechten Boom erlebte, rutschte diese Branche durch internationale Konkurrenz, Industrialisierung und Kostendruck ab den späten 70er-Jahren in eine anhaltende Werftenkrise. Heute sind Schleswig-Holsteins Werften wieder international gefragt – und zwar als hochspezialisierte Experten für besonders hohe Ansprüche. Während mit Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) die größte Werftgruppe des Landes an der Kieler Förde nicht-nuklearbetriebene U-Boote produziert, sind kleinere Werften insbesondere mit dem Bau von hochtechnisierten Spezialschiffen und Luxusyachten erfolgreich.
Dynamische Häfen und der NOK
Nachdem viele militärische Hafen- und Werftanlagen Ende der 40er-Jahre demontiert worden waren, begann in den 50er-Jahren der schrittweise Wiederaufbau zur zivilen Nutzung. Auch aufgrund ihrer günstigen geografischen Lage haben sich die über 30 schleswig-holsteinischen Häfen mittlerweile zu zentralen Umschlagplätzen für Nordeuropa, Skandinavien und das Baltikum entwickelt. Dabei bieten die großen Seehäfen modernste Bedingungen für die Abfertigung von Passagieren und den Umschlag rollender Ladung sowie von Massen- und Stückgut. Dazu kommt ein dichtes Netz regelmäßiger nationaler und internationaler Fähr- und Frachtlinien sowie zahlreiche regional bedeutsame Häfen, die unter anderem regionale Güterverkehre und Personenverkehre zu den Inseln sicherstellen.
Auch die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt verläuft quer durch Schleswig-Holstein. Immer mehr Reeder nutzen den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) als Zeit und Treibstoff sparende Alternative zum längeren Seeweg rund um Skagen. Allerdings stieg nicht nur die Zahl der passierenden Schiffe, auch deren Größe nahm immer mehr zu, sodass der NOK zwischen 1965 und heute mehrfach erweitert und ausgebaut wurde. Darüber hinaus laufen in Brunsbüttel seit 2014 die Arbeiten zum Bau einer fünften Schleusenkammer die 2026 in Betrieb gehen soll.
6 Häfen
Die sechs umschlagsstärksten Häfen im Land sind Lübeck, Brunsbüttel, Puttgarden, Flensburg und Kiel.
88 Prozent
Zusammen sorgen sie für 88 Prozent des Gesamtumsatzes aller Seehäfen im Land.
Maritime Technologie für morgen
Mit einer traditionsreichen Vergangenheit im Rücken blickt die maritime Wirtschaft in Schleswig-Holstein weiter konsequent nach vorn. Neben Spezialschiffbau und hochmoderner Hafenlogistik stehen heute unter anderem Entwicklung und Erprobung innovativer und nachhaltiger Technologien im Vordergrund.
Zum Beispiel ging am Kieler Ostseekai im Jahr 2022 eine der leistungsstärksten Landstromanlagen Europas in Betrieb. Mit einer Kapazität von 16 Megawatt kann sie gleichzeitig ein Kreuzfahrtschiff und die Fährschiffe der Stenaline mit klimaneutral produziertem Strom versorgen. An einer regelrechten Mobilitätsrevolution für Städte am Wasser arbeitet eine in Kiel ansässige Kooperation von Forschenden und Unternehmen. Mit dem Projekt CAPTN (Clean Autonomous Public Transport Network) sollen konkrete Lösungen für emissionsfreie und autonome Mobilität auf der Kieler Förde erprobt werden.
Darüber hinaus erleben auch Teile der Werftbranche ein neues Hoch: Die Auftragslage für Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) ist beispielsweise so exzellent, dass der Werftkonzern allein am Standort Kiel deutlich mehr als 1.000 neue Jobs schaffen und damit auf bis zu 5.000 Beschäftigte wachsen will.
Bleiben Sie gespannt!
Wir stellen 2026 die Highlights aus 80 Jahren Wirtschafts-Geschichte im echten Norden vor. Lassen Sie sich überraschen von der Vielfalt Schleswig-Holsteins, den Pionieren, den Macherinnen und den Meilensteinen aus 80 Jahren.

