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Ein Interview mit Tim Ole Jöhnk, waschechter Schleswig-Holsteiner im Silicon Valley

WTSH-Online-Redaktion: Tim Ole, wie kommt man eigentlich als waschechter Kieler nach San Francisco?

Jöhnk: Um es mit drei Worten zu sagen: Abenteuerlust gepaart mit Studium, Arbeit und schließlich Ehe. Ich bin bereits 2014 in die USA gezogen und habe in Oregon meinen MBA (Master Of Business Administration) gemacht. Damals wollte ich gerne in den USA, insbesondere an der Westküste, studieren. In Oregon habe ich ideale Bedingungen vorgefunden: eine gute und trotzdem bezahlbare Universität mit engen Kontakten zur Wirtschaft. Allerdings habe ich nach meinem Abschluss 2016 trotzdem nicht gleich ein Arbeitsvisum bekommen und bin ins Silicon Valley gezogen, weil ich mir dort höhere Jobchancen ausgerechnet hatte – glücklicherweise hatte ich damit auch Recht. Danach fügte sich einfach alles wunderbar zusammen. Meine Frau und ich haben geheiratet, ich hatte einen tollen Job in der Venture-Szene gefunden und plötzlich wurden Kiel und San Francisco Partnerstädte.

WTSH-Online-Redaktion: Sie sind im Silicon Valley bestens vernetzt: mit Unternehmen, Venture-Capital-Firmen, Universitäten, StartUps und Accelerator-Programmen. Nun sorgen Sie für die Vernetzung von Unternehmen hier und dort und haben die Aufgabe, Elemente des Innovationssystems Silicon Valley schleswig-holsteinischen Unternehmen an die Hand zu geben. Wie gehen Sie dabei ganz konkret vor?

Jöhnk: Vor allem durch Trend- und Techscouting: Kundschaft und Partnerfirmen setzen mich auf bestimmte Industrien oder Technologien an – sagen wir zum Beispiel auf Blockchaintechnologien in der Seefracht. Ich gebe dann einen Überblick zu Entwicklungen auf dem Markt – wer forscht gerade an dem Thema, welche Anwendungsbeispiele gibt es bereits, wer hat es probiert und welche Erfahrungen wurden gesammelt? So kann ich dann auch entsprechend untereinander vernetzen und bei der Kontaktaufnahme helfen.


WTSH-Online-Redaktion:
 Mit den Unternehmerreisen machst Du das Silicon Valley erlebbar. Da stehen dann auch mal Besuche bei den großen Playern wie Google, Facebook oder Plug and Play auf dem Prgramm. Was ist denn das Ziel solcher Formate?

Jöhnk: Ziel ist es, selbst zu erleben! Die Teilnehmenden sollen nach Hause kommen und die Energie mitnehmen, die sie hier spüren. Meine Hoffnung ist es, dass so der Wunsch entsteht, sich intensiver mit diesem Innovationsökosystem zu beschäftigen. Und Firmen, die bereits häufiger im Silicon Valley waren und schon Kontakte besitzen, bekommen so einen direkten Kontakt und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Playern vor Ort.

WTSH-Online-Redaktion: Du sprichst von Energie, die mit nach Hause genommen werden soll. Damit ist bestimmt auch diese typische Geisteshaltung gemeint, von der immer wieder die Rede ist. Ganz schnell – fünf Begriffe: Welches sind die typischen Kardinaltugenden im Silicon Valley?

Jöhnk: Neugierde, Risikobereitschaft, Größenwahn, Kollaboration und harte Arbeit.

WTSH-Online-Redaktion: Und das alles findet sich dann wieder in agilen Managementstrukturen und in einer bestimmten Geisteshaltung. Was ist damit eigentlich gemeint?

Jöhnk: Ein guter Freund und Mentor von mir sagt gerne, dass das Silicon Valley voller Spinner ist. Jede Gründerin hat die nächste große Idee, jeder Gründer glaubt, dass er den Markt verändern wird – so wie es von Uber, Amazon und Google vorgemacht wurde. 99,9 Prozent werden scheitern, aber das stört niemanden. Die 0,1 Prozent, die tatsächlich was bewegen, tragen dann wieder zu diesem Phänomen Silicon Valley bei. Was mir immer wieder auffällt, ist die Energie und der Wille, der alles und jeden umgibt. Man probiert aus und Sätze wie “Das wird sowieso nicht funktionieren” hört man nicht. Wenn es dann dennoch scheitert, ist das dann eben so. Und niemand sagt: “Das habe ich doch gleich gesagt”. Man schränkt sich von Beginn an gedanklich eben nicht gleich ein.


WTSH-Online-Redaktion:
 Was können denn Unternehmen hier tun, um diese Geisteshaltung zu übernehmen, ohne sie zu kopieren?

Jöhnk: Sie sollten zu allererst einmal neugierig und aufgeschlossen sein. Und es braucht Zeit und Geduld, um die richtigen Faktoren für sich selbst zu finden und in das eigene System zu integrieren. Wichtig ist, dass jeder Innovationsprozess von der Geschäftsführung unterstützt wird. Und ich würde behaupten, dass 90 Prozent des Nutzens erst langfristig sichtbar werden. Innovation und Disruption müssen entwickelt werden. Das kann zunächst einmal viel Geld und Zeit in Anspruch nehmen. Gleichzeitig müssen natürlich kurzfristig Geschäftsziele erfüllt werden. Wenn aber das Management um seinen Stuhl fürchten muss, weil ihm innerhalb der ersten zwei Quartale noch kein neues tolles Businessmodell über den Weg gelaufen ist, dann lähmt das die Möglichkeiten. Wenn hingegen die Geschäftsleitung diese langfristige Strategie unterstützt und vorlebt, dann trauen sich diese Teams auch mal, was zu wagen.

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Kristin Asmussen

Kristin Asmussen

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