Erfolgsrezepte der High-Tech-Zentren

Was das Silicon Valley, das Silicon Wadi und Hangzhou so erfolgreich macht

Google, Alibaba und Mobileye kennt jeder. Gemeinsam haben die drei Unternehmen ihren Unternehmenssitz in einem der High-Tech & IT-Zentren der Welt: Silicon Valley in den USA, Hangzhou in China und Silicon Wadi in Israel.

Die WTSH-Online-Redaktion hat mit Torsten Drews, Tim Ole Jöhnk und Christian Decker über die Bedeutung dieser High-Tech-Zentren gesprochen und wie die WTSH die Brücke zu den Unternehmen in Schleswig-Holstein schlägt.

Torsten Drews

Abteilungsleiter Außenwirtschaftsberatung

Tim Ole Jöhnk

Büroleiter Northern Germany Innovation Office

Torsten Drews

Außenwirtschaftsberater Schwerpunkt Brasilien, China, Indien

WTSH-Online-Redaktion: Die drei High-Tech-Zentren Silicon Valley, Silicon Wadi und Hangzhou sind bekannt für ihre hohe Dichte an erfolgreichen Unternehmen und ihre Innovationskraft. Was sind die Erfolgsrezepte dieser Regionen?

Drews: Schauen wir nach Israel: Hier zählen Geschwindigkeit, Agilität und ein starkes Netzwerk. Während Unternehmen in anderen Ländern viel im eigenen Saft schmoren und an streng geheimen Innovationen arbeiten, sind Gründer im Silicon Wadi viel offener – Austausch von Ideen, Know-How und Kontakten ist für sie selbstverständlich. Und: gibt es erstmal eine Idee, halten sich die jungen Unternehmer nicht lange mit der Planung auf, sondern beginnen mit der Umsetzung. Dabei haben sie keine Angst vor dem Scheitern, sondern eine hohe Risikobereitschaft. Sie verfügen über die Mentalität nach Rückschlägen gleich wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Jöhnk: Im Silicon Valley ist das ähnlich. Diese typische Geisteshaltung von der immer wieder die Rede ist: Neugierde, Risikobereitschaft, Größenwahn, Kollaboration und harte Arbeit. Jede Gründerin hat die nächste große Idee, jeder Gründer glaubt, dass er den Markt verändern wird – so wie es schon vorgemacht wurde. 99,9 Prozent werden scheitern, aber das stört niemanden. Die 0,1 Prozent, die tatsächlich was bewegen, tragen dann wieder zu diesem Phänomen Silicon Valley bei.

Decker: In China ist es ein bißchen anders: das Land stand bei der Entwicklung von Innovationen lange hintenan. Das hat sich in den vergangenen Jahren stark geändert, vor allem aufgrund eines ausgeprägten Unternehmertums und der staatlichen Förderung von StartUps in China, die weltweit einzigartig ist.

WTSH-Online-Redaktion: Den angesprochenen Spirit der USA und Israel kann man natürlich nicht einfach kopieren. Was können wir in Schleswig-Holstein von diesen Zentren lernen und erfolgreich für unsere Unternehmen nutzen?

Jöhnk: Es geht vor allem darum, diesen Spirit und das Unternehmertum vor Ort selbst zu erfahren. Daher bekommen wir regelmäßig Besuch aus Norddeutschland. So können direkter Kontakt und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Playern vor Ort stattfinden. Die Teilnehmenden sollen nach Hause kommen und die Energie mitnehmen, die sie hier spüren. Meine Hoffnung ist es, dass so der Wunsch entsteht, sich intensiver mit diesem Innovationsökosystem zu beschäftigen.

Drews: Auch auf unserer Unternehmerreise nach Israel geht es ums Erleben. Jetzt steht beispielsweise das Thema Life Science im Vordergrund und die Teilnehmer bekommen erste Einblicke und erste Kontakte zu Unternehmen und Forschungseinrichtungen in dieser Branche.

Brücken schlagen zwischen Silicon Valley und Schleswig-Holstein

Und das sagen Unternehmen aus dem echten Norden dazu:

”San Francisco ist ein Ort, am dem man Innovationen an jeder Ecke erleben kann: z.B. CafeX, Waymo, WeWork, Uber oder Amazon Go. Es macht einen großen Unterschied, neue Technologien selbst nutzen und deren Wirkung erleben zu können. Dank der großartigen Organisation und Durchführung der Reise konnten wir für unsere Entwicklung einer Smart City/Region Eindrücke und Ideen mitnehmen und persönliche Kontakte knüpfen.”

Jonas Dageförde, Stadt Kiel

WTSH-Online-Redaktion: Wenn die Unternehmerinnen und Unternehmer diesen Spirit erleben und begeistert zurückkommen, sind dann nicht auch die äußeren Rahmenbedingungen ausschlaggebend?

Drews: Sicher darf man nicht vergessen, dass die Rahmenbedingungen anders sind: In Israel gibt es für StartUps ein geringeres finanzielles Risiko, weil der Staat oft bei der Finanzierung unterstützt. Auch das Thema Bildung wird anders gehandhabt: Digitalisierung wird dort bereits in der Grundschule integriert. In den USA und China herrschen wieder andere Rahmenbedingungen.

Decker: Oftmals erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Reisen einen Impuls, eine erste Idee, die dann auf die eigenen Prozesse oder Gegebenheiten angepasst wird.

Und das sagen Unternehmen aus dem echten Norden dazu:

“Die China-Reise mit der WTSH hat mich tief beeindruckt. China ist Deutschland durch eine enorme Innovationskraft in der Digitalisierung zurzeit deutlich überlegen, da dürfen wir uns nichts vormachen. Im Sektor Maschinenbau haben wir noch die Nase vorn, vor allem was die Qualität angeht. Diesen Markt kann Deutschland nutzen – auch mworks.”

Susanne Dröber, mworks GmbH

WTSH-Online-Redaktion: Um sich im globalen Wettbewerb zu behaupten, sind die Entwicklung und der Ausbau einer gut funktionierenden Auslandsstruktur unverzichtbar und die WTSH übernimmt dabei die Rolle des Vernetzers zwischen den Welten. Wie tragen Sie im Einzelnen dazu bei?

Jöhnk: Zum Beispiel durch Trend- und Techscouting: Kundschaft und Partnerfirmen setzen mich auf bestimmte Industrien oder Technologien an – sagen wir zum Beispiel Blockchaintechnologien in der Seefracht. Ich gebe dann einen Überblick zu Entwicklungen auf dem Markt – wer forscht gerade an dem Thema, welche Anwendungsbeispiele gibt es bereits, wer hat es probiert und welche Erfahrungen gesammelt? So kann ich dann entsprechend untereinander vernetzen und bei der Kontaktaufnahme helfen.

Drews: Wir sind in vielen Bereichen tätig. Die WTSH-Außenwirtschaftsberater loten gemeinsam mit Ihnen Chancen und Risiken einer Internationalisierung aus. Wir unterstützen die Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem echten Norden dabei, in den ausgewählten Zielländern Fuß zu fassen, vermitteln Kontakte und bieten organisatorische Strukturen an, um den Start finanziell und planerisch zu unterstützen. Auch bieten wir Trainings an, in denen sich Geschäftsleute gezielt auf kulturelle Gegebenheiten einstellen können und somit souveräner in alltäglichen Business-Situationen reagieren können.

Das Gebäude des NGIO in San Francisco