Wirtschaftsland 2019

TECHNOLOGIETRANSFER IN DIE WIRTSCHAFT In Flensburg wird aber auch an der Entwicklung umwelt- freundlicherer Lösungen für die bestehenden Schiffsan- triebe und Kraftstoffe gearbeitet. „Hocheffiziente Die- selmotoren und selbst diverse Schwerölsorten werden voraussichtlich noch über Jahrzehnte eine wesentliche Rolle in der Schifffahrt spielen“, erklärt Prof. Dr. Micha- el Thiemke, Leiter des Studienganges Schiffstechnik in Flensburg. „Abgase, die beim Verbrennen von schwefel- haltigem Schiffsdiesel entstehen, können jedoch gereinigt und damit sowohl die bestehenden als auch verschärfte zukünftige Grenzwerte für Emissionen unterschritten werden.“ Dafür entwickelt das Team um Thiemke und Professor Rom Rabe gemeinsam mit Kooperationspartnerinnen und -partner aus der Wirtschaft unter anderem zwei Verfahren zur Nass- und Trockenentschwefelung für einen effizienten Einsatz an Bord weiter. Die Automatisierung der Prozesse spielt dabei eine wichtige Rolle. Damit die immer komple- xer werdenden Systeme möglichst fehlerfrei miteinander kommunizieren können, erarbeiten die Flensburger mit Partnerunternehmen aus dem Verband Deutscher Maschi- nen- und Anlagenbau (VDMA) gerade ein einheitliches Protokoll für die smarte Datenübertragung an Bord. AUTONOME SCHIFFFAHRT Auch die Automatisierung der Schiffssteuerung und -navi- gation haben Wissenschaft und Wirtschaft im Blick. In ver- schiedenen Projekten entwickeln sie gemeinsam Systeme und Komponenten, damit Schiffe in Zukunft teilweise oder vollständig autonom fahren können. Thomas Meurer vom Lehrstuhl für Regelungstechnik ist einer von 14 Professorin- nen und Professoren an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die an diesem Thema arbeiten. „Ein Problem, das es zu lösen gilt, sind Manöver in begrenzten Gewässern. Dazu zählen das An- und Ablegen oder Manöver zur Kollisionsvermeidung in Häfen“, erklärt Meurer. Basierend auf einem mathematischen Modell für Schiffsdynamik haben er und sein Team diese Szenarien erforscht und Lösungsansätze ermittelt. Mithilfe dieser Ansätze könnten autonome Manöver besonders zeiteffizient umgesetzt werden oder sie ermöglichen den wirtschaftlich optimalen Weg und haben damit einen geringeren Energieverbrauch zur Folge. TECHNOLOGIE FÜR DIE TIEFSEE Die schleswig-holsteinische maritime Forschung und Entwicklung beschäftigt sich aber nicht „nur“ damit, was auf dem Wasser geschieht, sondern auch damit, was unter der Meeresoberfläche liegt. So gehört die Gisma GmbH aus Neumünster zu den weltweit führenden Anbietern von elektrischen-, Lichtwellenleiter- und Hybrid-Steckverbin- dungen für den Einsatz unter Wasser. Diese garantieren eine störungsfreie Signalübertragung, je nach Anwen- Auch das Maritime Zentrum in Flensburg forscht als der Träger für maritime Studien- gänge, maritime Forschung und Entwicklung an emissionsärmeren Schiffsantrieben Zukunftsweisend: Die Berechnungen und Modelle von Professor Thomas Meurer (l.) und Max Lutz (r.) von der CAU sollen dazu beitragen, dass Schiffe bald autonom die Kieler Förde überqueren können „Schiffsabgase können so gereinigt werden, dass sogar zukünftige Emissions- grenzwerte unterschritten werden.“ Prof. Dr. Michael Thiemke, Leiter des Studienganges Schiffstechnik an der Hochschule Flensburg 40 MARITIME WIRTSCHAFT IM ECHTEN NORDEN

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