Wirtschaftsland 2019

Es ist die vielleicht spannendste Firma, die es derzeit in Kiel gibt. Es geht um Titan, um wirklich innovative Prozesse und einen Mann, der eine Holztreppe hinauf- und hinabläuft. Die Treppe gibt es immer noch. Da ist er schon damals hoch und run- ter gerannt, immer wieder, das war gleich nach der Gründung des Unter- nehmens, vor acht Jahren. Oben die Büroräume, unten die Produktion, er wollte halt überall sein. Wenn man Er- folg haben will, muss man manchmal zwei Stufen auf einmal nehmen, aber Matthias Scharvogel hat auf dieser Stiege immer gleich drei Absätze ge- nommen. Neunzehn Stufen aus Holz. Ausgerechnet Holz. Denn eigentlich geht es hier, am Kieler Seefischmarkt, um etwas ganz anderes. Es geht um Titan. Im Periodensystem der Elemente steht Titan an der 22. Stelle, eingepfercht zwischen dem langweiligen Scandi- um (21) und dem zähem Vanadium (23). Titan, völlig zu Unrecht ein wenig versteckt, links in der Mitte des Periodensystems, hat da weit bessere Eigenschaften: Es ist extrem leicht, gleichzeitig von höchster Festigkeit, robust und korrosionsbeständig. Und es kann ehrlich gesagt noch viel mehr und deshalb hat Matthias Scharvogel sich irgendwann gedacht, dass die Zukunft womöglich aus Titan sein könnte. Jetzt ist es aber so, dass dieses stolze Metall sich nicht so ohne Weiteres bearbeiten lässt. Man kann es fräsen und bohren, sicher, aber das dauert erstens viel zu lange und zweitens fällt dabei viel zu viel Abfall ab. Also hat Scharvogel von Anfang an auf die MIM-Technologie (Metal Injection Moulding) gesetzt. Und er hat sie mit den Jahren stetig weiterentwickelt. Denn mit ihr lässt sich Titan – quasi pulverisiert – als Spritzguss verar- beiten. In nur einem Arbeitsschritt wird dem gesamten Bauteil seine endgültige Geometrie gegeben. Gegenüber den herkömmlichen Ver- fahren bedeutet das nicht nur einen deutlichen Zeitvorteil. Es können auch Teile produziert werden, deren konventionelle Herstellung unmög- lich oder zumindest unwirtschaftlich wäre. Element 22 stellt so Implantate für die Medizintechnik her, aber auch Bauteile für Premiumprodukte wie Uhren und Schmuck oder Teile für die Luftfahrtindustrie. Rund 50 ver- schiede Produkte hat Element 22 im Programm: Aus den Spritzgussformen entstehen Teile für Flugzeugtrieb- werke genauso wie für Handys oder medizinische Endoskope. Mal so groß wie eine Hand, mal so klein, dass man fast eine Lupe braucht, um das Bauteil überhaupt zu erkennen. Mit der steten Weiterentwicklung die- ses Spritzgussverfahrens hat sich Ele- ment 22 mittlerweile tatsächlich zum Weltmarktführer titanisiert. Wo andere noch drehen, fräsen und bohren – das kann für ein Bauteil schon mal 20 Stunden dauern – gießen und backen Scharvogel und seine mittlerweile 30 Beschäftigten die Titanstücke in wenigen Sekunden in Form. Das ist faszinierend und auch ein bisschen geheimnisvoll, denn wer genau seine weltweite Kundschaft ist, also etwa Flugzeugbau-, Uhrenherstell- oder Medizintechnikunternehmen, das darf Scharvogel nicht verraten. PATENTIERTE INNOVATIONSKRAFT VON DER KIELER FÖRDE ELEMENT 22 Mit seinem Unternehmen Element 22 ist Chief Executive Officer (CEO) Matthias Scharvogel Weltmarktführer in der Ferti- gung von Titanbauelementen 48 RÜCKENDECKUNG FÜR INNOVATIVE IDEEN

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