Bildgebungslabor für Forschung und Wirtschaft

Schleswig-Holstein fördert neues Forschungslabor für die nukleare Bildgebung an Kleintieren an der Universität zu Lübeck mit 1,15 Millionen Euro.

Lübeck, 30. September 2020. Studien an Nagetieren sind in der modernen Medizin nach wie vor unverzichtbar. Sie sind nicht nur zentraler Bestandteil biomedizinischer Forschung und von Arzneimittelprüfungen. Präklinische Studien an Mäusen und Ratten tragen auch entscheidend zur Grundlagenforschung und zur Entwicklung neuartiger Therapien und Medikamente bei.

Schlüsselverfahren, um Stoffwechsel und Organfunktionen der narkotisierten Kleintiere nicht-invasiv zu messen und bildlich darzustellen, ist die Positronen-Emissions-Tomographie (PET), die auch am Menschen angewendet werden kann. Sie macht die Verteilung schwach radioaktiv markierter Substanzen innerhalb eines lebenden Organismus sichtbar. Insbesondere Hybrid-Geräte, die zusätzlich zur PET auch Computertomografien (CT) durchführen können, haben sich dabei bewährt. Ein solches Kleintier-PET/CT soll jetzt im Rahmen des Projekts „Small Animal Imaging Lübeck“ (SAIL) als Kernstück eines neuen Labors für nukleare Kleintierbildgebung an der Universität zu Lübeck angeschafft werden.

Das Land Schleswig-Holstein fördert dieses Investitionsvorhaben mit knapp 1,15 Millionen Euro, davon sind 796.508 Euro aus dem Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die Universität zu Lübeck beteiligt sich mit 445.000 Euro. Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz übergab heute (30. September 2020) in Lübeck einen entsprechenden Förderbescheid an Labor- und Projektleiterin Prof. Dr. Magdalena Rafecas. „Mit dieser hochmodernen Infrastruktur verschaffen wir nicht nur der schleswig-holsteinischen Spitzenforschung einen zusätzlichen Vorsprung“, sagte Buchholz. „Das außergewöhnliche Bildgebungsangebot wird sich auch positiv auf die Attraktivität des Standorts Lübeck für die Biotechnologie und Pharmabranche bemerkbar machen und damit eine der Schlüsseltechnologien im echten Norden stärken.“

„Dass wir heute den Zuwendungsbescheid überreicht bekommen haben, stimmt mich sehr froh“, sagt Prof. Dr. Magdalena Rafecas. „Die Übergabe ist gleich zweifach symbolträchtig: Als Ende intensiver Vorbereitungen und Planungen sowie als Beginn, denn die SAIL-Infrastruktur wird jetzt gebaut und unser innovatives Nuklearbildgebungslabor rückt in greifbare Nähe“, sagt Prof. Rafecas.

„Die SAIL-Nuklearbildgebung - die in dieser Form einzigartig in Schleswig-Holstein ist - steht direkt im Zentrum der hochmodernen und zukunftsorientierten biomedizinischen Forschung hier in Lübeck“, sagt die Präsidentin der Universität zu Lübeck, Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach. „Es werden in dem Forschungsbereich aufs vorbildlichste die drei großen Schwerpunkte unserer Life Science-Universität als auch die Grundlagenforschung mit der biomedizinischen Anwendung verbunden – die Nuklearbildgebung stellt also eine wichtige Grundlage zur Translation dar.“

Die neue Forschungsinfrastruktur soll innerhalb des S2-Sicherheitsbereichs der geplanten Einrichtung für Kleintierbildgebung errichtet werden und wäre damit die erste Einrichtung ihrer Art mit dieser gentechnischen Sicherheitsstufe in Schleswig-Holstein und der Metropolregion Hamburg. Neben dem Kleintier-PET/CT soll das Labor im Untergeschoss des Centers of Brain, Behavior and Metabolism unter anderem über einen Schleusenbereich, einen eigenen Raum zur Tierhaltung und einen Radionuklidabzug zum sicheren Umgang mit radioaktiven Stoffen verfügen. Zudem wird es eine besondere Beleuchtung geben, die das Durchführen von chronophysiologischen Studien, also die Forschung zur Inneren Uhr, ermöglicht.

„Neben den Forschern sollen auch andere Hochschulen und Forschungseinrichtungen und Unternehmen die Bildgebungstechnologie nutzen können, erklärte Dr. Ronny Marquardt, WTSH-Teamleiter Innovationsförderung. „Dies spielte bei der Förderbewilligung eine große Rolle. „Die wichtigsten Anwendungsfelder sind zwar biomedizinische Forschung, Pharma- und Biotechnologie, aber auch zahlreiche andere Sparten können von den Möglichkeiten des neuen Labors profitieren“, so Marquardt weiter. Im Bereich Aquakultur kann die Untersuchung von Mechanismen der marinen Nahrungskette dazu beitragen, effizientere Zuchtmöglichkeiten zu entwickeln und die Landwirtschaft kann lernen, den pflanzlichen Energieumsatz besser zu verstehen und zu optimieren. Darüber hinaus ermöglichen es die vergleichsweise hohen Strahlenschutz-Eigenschaften des Labors, dass dort zum Beispiel Strahlenschutzdetektoren oder ähnliche Hardwarelösungen entwickelt und getestet werden können.

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