Kleine Geste, große Wirkung – Lübecker Unternehmen entwickelt Algorithmen für die Gestenerkennung

Wirtschaftsminister Meyer übergibt Förderbescheid

LÜBECK - Eine Handbewegung des Fahrers und der Wagen parkt automatisch ein – in Zukunft werden sich immer mehr Prozesse mit einfachen Gesten steuern lassen. Wie die Spielkonsolen und Smartphones zeigen, hat die Gestensteuerung bereits Einzug in den Alltag gehalten. Aber noch ist die Technologie weitestgehend auf den so genannten Indoor-Bereich beschränkt. Das will die Lübecker „gestigon GmbH“ aus Lübeck nun ändern. Das Unternehmen entwickelt neue Algorithmen, mit denen sich selbst unter schwierigen Bedingungen außerhalb von Gebäuden Gesten sicher erkennen und verarbeiten lassen. Das Land Schleswig-Holstein fördert dieses Entwicklungsvorhaben mit 170.406,00 Euro, die heute (9. September) bei einem Betriebsbesuch von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer in Form eines Förderbescheids überreicht wurden. Die „gestigon GmbH“ will mit dem Entwicklungsvorhaben bis zum Jahr 2020 neun neue Arbeitsplätze schaffen und zehn bestehende Arbeitsplätze nachhaltig sichern. „Von häuslichen über mobile Anwendungen hin zur Freizeitgestaltung – die Gestensteuerung kann unser Leben sicher, komfortabler und unterhaltsamer machen. Menschen mit körperlichen Einschränkungen verhilft sie zu mehr Selbstständigkeit“, sagte Meyer. Grundsätzlich gebe es zwei technische Ansätze der Gestenerkennung: entweder mit Hilfe von Sensoren oder mittels Kameras. Dabei erweise sich die Kamera als vorteilhaft, da sie im Prinzip alle Gesten und Haltungen des Körpers erfassen kann und nicht nur bestimmte Teile, wie dies bei den meisten Sensoren der Fall ist. Allerdings erfordere die kameragestützte Erkennung der Gesten insbesondere bei wechselnden oder ungünstigen Licht- und Witterungsverhältnissen sehr leistungsfähige Algorithmen, die den aufgenommenen Bildern sicher und schnell die korrekte Geste zuordnen. Die besondere Herausforderung bei der Entwicklung dieser Algorithmen bestehe darin, dass sie in der Lage sein müssen, die Gesten aus der riesigen Menge von 3-D-Daten herauszufiltern und von anderen Bewegungsdaten zu trennen wie etwa die Bewegungen von Passanten oder Bäumen. Auch müssten fehlende oder fehlerhafte Daten ergänzt und somit Unschärfen korrigiert werden. Meyer: „Und in genau dieser Entwicklung solcher Algorithmen liegt die Kernkompetenz der gestigon GmbH, einer Ausgründung aus der Universität Lübeck.“ Das Unternehmen beliefere seine Kunden mit den Algorithmen, die von denen dann in Produkte integriert werden. Die Anwendungen der neuartigen Rechenoperationen sind vielfältig: Ob Automobilin-dustrie, Medizintechnik, Maschinenbau, Sport oder Außenwerbung, überall wo sich Prozesse mit einer Handbewegung oder einem Kopfnicken steuern lassen, könnte die Gestenerkennung eingesetzt werden. In das Zukunftsprogramm Wirtschaft fließen im Zeitraum 2007 – 2013 rund 662,3 Millionen Euro für die wirtschafts- und regionalpolitische Förderung in Schleswig-Holstein, da-von rund 374 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), rund 208 Millionen Euro aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) sowie ergänzende Landesmittel in Höhe von rund 80,3 Millionen Euro. Mehr Informationen im Internet: www.zukunftsprogramm-wirtschaft.schleswig-holstein.de

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