Landesregierung fördert innovative Energiewendetechnologien am Standort Enge-Sande mit rund 1 Million Euro

KIEL/ENGE-SANDE. Land fördert innovative Projekte im Energiewendebereich: Energiewendestaatssekretär Tobias Goldschmidt hat heute (4. April) zwei Förderbescheide für zukunftsorientierte Projekte in Enge-Sande übergeben. Zum einen erhält ein Verbund aus drei Unternehmen für die Entwicklung einer Methode zur schnellen und kostengünstigen Umrüstung von Dieselbussen auf Elektroantrieb eine Förderung in Höhe von 438.185 Euro. Zum anderen werden weitere 471.293 Euro für die Entwicklung einer hocheffizienten und kompakten Solaranlage für die gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme für Endverbraucher vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) zur Verfügung gestellt. „Energiewende ist, wenn Klimaschutz und Technologieentwicklung zusammenkommen und sich daraus Wertschöpfung ergibt. Es freut mich sehr, zu sehen, dass sich Enge-Sande weiter zum Inkubator für die innovative Energiewendewirtschaft entwickelt“, sagte Goldschmidt.

Umrüstung von Dieselbussen auf Elektroantrieb schützt Klima, verbessert Luftqualität und schont Ressourcen

„Wir müssen wegkommen von der Verbrennung von Öl und Gas. Die Elektrifizierung des Personennahverkehrs auf der Straße ist daher entscheidend für das Erreichen unserer umwelt- und energiepolitischen Ziele. Das Vorhaben, vorhandene Dieselfahrzeuge mit einem elektrischen Antrieb auszustatten, ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Ressourcenschonung, sondern aufgrund des breiten Wandels im Nahverkehr auch eine Idee mit großem Marktpotenzial. Wenn die Fahrzeugindustrie es noch immer nicht schafft ausreichend schnell marktreife Fahrzeuge an den Markt zu bringen, ist das eine Bankrotterklärung. Umso wichtiger, dass die Firma SEE Electric Busses nun Schwung in das Thema Umrüstung bringen will“, sagte Goldschmidt.

Im ersten Schritt sollen zwei Fahrzeuge des Unternehmens Autokraft umgerüstet und im Öffentlichen Personennahverkehr der Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg eingesetzt werden. Die wesentlichen Komponenten für die Umrüstung wie Batteriepacks, ein Lademanagementsystem und eine geeignete Antriebstechnik entwickelte das im Juni 2018 in Enge-Sande gegründete Unternehmen I SEE Electric Busses zusammen mit einem technischen Kooperationspartner. Der GreenTEC Campus ist für die Koordination und Realisierung des Gesamtprojektes zuständig.

Interesse an der neuen Methode gibt es bereits: Denn die Produktion neuer Elektrobusse hinkt aufgrund der großen Nachfrage hinterher. Während internationale Anbieter zwar über serienreife Fahrzeuge verfügen, aber mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen haben, werden Fahrzeuge deutscher Hersteller frühestens Ende 2019 in ersten erwähnenswerten Stückzahlen erwartet. Diese Marktsituation sorgt dafür, dass die Anschaffungskosten für Elektrobusse aktuell fast dreimal so hoch sind wie für konventionell angetriebene Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Hier setzt der Unternehmensverbund aus Schleswig-Holstein an. Die technische Umrüstung eines Dieselbusses soll deutlich günstiger sein als die Investition in einen neuen Elektrobus. In einem ersten Schritt sind dann bei einer Umrüstdauer von lediglich drei bis vier Wochen Einsparungen von rund 50 Prozent pro Fahrzeug im Vergleich zu den Mehrkosten eines neuen vollelektrischen Busses gegenüber einem neuen Dieselbus angestrebt.

„Dieses Entwicklungsprojekt schließt nicht nur eine Marktlücke, sondern trägt auch dazu bei, die Existenz der neu gegründeten I SEE Electric Busses GmbH am Standort Enge-Sande nachhaltig zu sichern und zu etablieren“, sagt WTSH-Geschäftsführer Dr. Bernd Bösche.

Entwicklung einer kompakten solaren Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage soll der Wärmewende weiteren Schwung geben

Dass Sektorenkopplung bei der Energiewende eine besondere Bedeutung hat, zeigt die von dem Unternehmen SunOyster entwickelte konzentrierende Technologie zur gekoppelten Erzeugung von Strom und Wärme durch Sonnenenergie. Die Anlagen nutzen bewegliche Parabolspiegel, die sich auf zwei Achsen automatisch optimal zur Sonne ausrichten. Bei starkem Wind werden die Spiegel in einer flachen Position geschlossen – wie die Schale einer Auster. Indem die Spiegel das Sonnenlicht bündeln und auf spezielle Solarzellen, sogenannte Konzentratorzellen, konzentrieren, soll die Anlage einen bisher unerreichten Wirkungsgrad von 75 Prozent bieten: Rund 30 Prozent der Sonnenstrahlung werden in Strom umgewandelt, rund 45 Prozent in Wärme.

Mit einer Spiegelfläche von 8 Quadratmetern, einer benötigten Grundfläche von lediglich 20 Quadratmetern und einem Gewicht von unter 300 Kilogramm soll die neue Anlage auch auf kleineren Gebäuden installiert werden können. Erstmals soll auch der Einsatz auf schrägen Dächern möglich sein. Damit erhöht sich die Zahl der geeigneten Gebäude um ein Vielfaches. Den Verkaufspreis für eine auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande produzierte SunOyster-8-Anlage sieht das Unternehmen bei rund 3.000 Euro. Mit einer geplanten Lebensdauer von mindestens 20 Jahren spart eine einzige Anlage während dieser Zeit rund 60 Tonnen CO2. Darüber hinaus sind die Anlagen recyclingfreundlich konstruiert: Kunststoffteile wurden auf ein Minimum reduziert, Metallteile und Glasspiegel können sortenrein recycelt und das in den Solarzellen verarbeitete Halbleitermetall, wie beispielsweise Germanium, kann am Ende des Lebenszyklus wiederverwertet werden.

„Heizen mit Sonnenenergie ist eine Schlüsseltechnologie für die Wärmewende. Diese Entwicklung der SunOyster macht modernste Technologie zur nachhaltigen Erzeugung von Strom und Wärme einem größeren Kundenkreis zugänglich. Die Technik hat aus meiner Sicht großes Potenzial. Ich wünsche mir sehr, dass sie sich durchsetzt und überall im Land in den nächsten Jahren Anlagen dieser Art zu sehen sein werden“, sagte Goldschmidt. WTSH-Geschäftsführer Dr. Bernd Bösche ergänzte: „Die Technologie verfügt über ein hervorragendes Marktpotenzial in den attraktiven Solarmärkten der Welt - insbesondere in China und Indien. Dieses Entwicklungsvorhaben kann entscheidend dazu beitragen, dass sich SunOyster im Markt für Solar-Wärmekopplungs-Anlagen etablieren und mittelfristig sogar die Marktführerschaft übernehmen kann.“ Das spiegelt sich dann auch in der Schaffung neuer Arbeitsplätze wider. So rechnet SunOyster bis zum Jahr 2026 mit einer weltweiten Installation von 128.000 Anlagen bei einer Leistung von insgesamt 320 Megawatt elektrischer Energie und damit verbunden ist die Erwartung von 556 neuen Arbeitsplätzen. Für das Projekt der Umrüstung der Dieselbusse auf Elektroantrieb gehen die Planungen von 21 neuen Arbeitsplätzen bis 2022 aus.

Das Landesprogramm Wirtschaft bündelt im Zeitraum 2014 – 2020 Fördermittel der Europäischen Union - Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) sowie Landesmittel für die wirtschafts- und regionalpolitische Förderung in Schleswig-Holstein. Mehr Informationen im Internet: EU-SH.schleswig-holstein.de

Die WTSH ist zentraler Dienstleister des Landes für die Förderung in den Bereichen
• Innovation – Stärkung der regionalen Innovationspotenziale
• erneuerbare Energien – Bestrebungen zur Verringerung der CO2-Emmissionen im Rahmen des Landesprogramm Wirtschaft.

Verantwortlich für diesen Pressetext:
Ute Leinigen | WTSH Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig Holstein GmbH | Lorentzendamm 24, 24103 Kiel | Telefon 0431 66666 820 | E-Mail: leinigen@wtsh.de | www.wtsh.de

Jana Ohlhoff | Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung | Mercatorstraße 3, 24106 Kiel | Telefon 0431 988-7044 | E-Mail: pressestelle@melund.landsh.de | Presseinformation der Landesregierung finden Sie aktuell und archiviert unter www.schleswig-holstein.de | Das Ministerium finden Sie im Internet unter www.melund.schleswig-holstein.de

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