Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor für den Tourismus in Schleswig-Holstein

Interview mit Frau Dr. Carola May - Projektleiterin Tourismusclusters Schleswig-Holstein bei der WTSH

„Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor für den Tourismus in Schleswig-Holstein“

Interview mit Frau Dr. Carola May - Projektleiterin Tourismusclusters Schleswig-Holstein bei der WTSH

Anlässlich der heutigen (22.01.2020) Regionalkonferenz: „Globale Nachhaltigkeitsziele – nationale Verantwortung: Gemeinsam den Wandel voranbringen“ in Norderstedt:

Unter dem Motto „Globale Nachhaltigkeitsziele – nationale Verantwortung: Gemeinsam den Wandel voranbringen“ findet heute, 22. Januar 2020, in Norderstedt eine Regionalkonferenz zum Thema Nachhaltigkeit statt. Ministerpräsident Daniel Günther wird gemeinsam mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze und weiteren Akteuren darüber diskutieren, welchen Wandel Schleswig-Holstein aber auch Deutschland insgesamt für eine nachhaltige Entwicklung braucht. Eines der Kernthemen der Konferenz wird auch der nachhaltige Tourismus im echten Norden sein.  Als eine der beliebtesten Tourismusdestinationen in Deutschland mit knapp 34,5 Millionen gewerblichen Übernachtungen, hat Schleswig-Holstein das Thema Nachhaltigkeit in seiner Tourismusstrategie Schleswig-Holstein 2025 verankert. Das Tourismus-Cluster Schleswig-Holstein, in Person der WTSH-Tourismus-Expertin und Projektleiterin Dr. Carola May, leitet heute (22.01.2020) im Rahmen der Regionalkonferenz einen Workshop zum Thema Nachhaltigkeit im Tourismus. Sie hat ihrerseits die Initiative ergriffen, Tourismusbetriebe auf dem Weg in die Nachhaltigkeit praxisnah zu unterstützen, wie sie im Interview berichtet:

WTSH: Frau May, ein Blick in Schleswig-Holsteins Tourismusbranche zeigt, dass Nachhaltigkeit keine Modeerscheinung ist, sondern mittlerweile in vielen Hotels, Gastronomie- und Freizeitbetrieben zum Unternehmenskonzept gehört.  Können Sie in Stichpunkten sagen, welche Vorteile Tourismusbetriebe Ihrer Meinung nach durch nachhaltiges Engagement haben?

Dr. May: Beginnen wir mal mit dem nachhaltigen Ressourcenmanagement. Es rückt immer mehr in den Fokus, da steigende Energiekosten zunehmend auch die Wirtschaftlichkeit von Tourismusbetrieben beeinflussen. Neben den Kosten für das Personal und den Wareneinsatz sind die Ausgaben für Energie und Wasser oftmals der drittgrößte Kostenfaktor von Beherbergungsbetrieben. Durch nachhaltiges Engagement können Kosten minimiert werden und aktiv etwas für den Natur- und Umweltschutz in Ihrer Region getan werden. Ein gutes Beispiel aus der Praxis: Das 4 Sterne TUI Dorfhotel auf Sylt: Hier ist zum Beispiel die Zimmerreinigung nach Länge des Aufenthalts gestaffelt, die Wasserhähne sind sparsam eingestellt und beim Frühstück – zum Teil mit regionalen Produkten – sind Einweg-Verpackungen tabu.

WTSH: Und wie kann man sich in Punkto Einkaufsmanagement nachhaltig aufstellen?

Dr. May: In diesem Bereich kann man mehr regionale Produkte einsetzen und damit Partnerschaften mit Produzenten vor Ort und die Region an sich stärken. Auch hier ein Beispiel: Das Hotel Miramar in Tönning: Hier legt man Wert auf saisonale Produkte aus der Region, eingekauft wird um die Ecke, zum Beispiel bei einer Friesischen Schafskäserei.

WTSH: Und im Rahmen des Personalmanagements?

Dr. May: Nachhaltigkeit im Personalmanagement heißt vor allem, dass Mitarbeiter als Erfolgsfaktor betrachtet werden, fair behandelt und wertgeschätzt werden. Man schafft somit ein „Wir-Gefühl“ und macht sich für neue Mitarbeiter interessanter- z. B. für die Generation Y.  Zufriedene Mitarbeiter bedeuten zufriedene Kunden! Und: ganz klar: Durch nachhaltiges Engagement können Sie neue Kundengruppen ansprechen und gewinnen und sich von Mitbewerbern abheben. Denn aus der Marktforschung geht klar hervor, dass sich Schleswig-Holsteins Urlauber einen sozial- und umweltverträglichen Urlaubsaufenthalt in intakter Natur wünschen.

WTSH: Auch, wenn Sie jetzt einige Erfolgsbeispiele genannt haben, ist der Weg zum nachhaltigen Tourismusbetrieb eine Herausforderung. Jetzt mal ganz konkret: Welche Schritte muss man gehen, um Nachhaltigkeit ins Unternehmenskonzept zu integrieren und als Erfolgsfaktor nutzen zu können? 

Dr. May: Vielleicht fühlt es sich für Betriebe ohne Vorkenntnisse zum Thema zunächst einmal schwierig an. Aber es gibt ein paar Fragen, die Sie sich ohnehin als Verantwortliche oder Verantwortlicher eines touristischen Betriebes stellen. Wie können Sie Kosten reduzieren? Wie gehen Sie mit Ihren Mitarbeitern um und stellen sicher, dass diese die besten Botschafter Ihres Betriebes sind? Wie und wo kaufen Sie Ihre Waren ein und wie sichern Sie dabei Ihre Qualität? Wie machen Sie auf sich aufmerksam und überraschen Ihre Gäste? Nicht immer ist bei der Beantwortung dieser Fragen das Thema Nachhaltigkeit primär entscheidend, jedoch ist es erfahrungsgemäß von Vorteil, wenn Sie Ihr Qualitätsverständnis um das Thema Nachhaltigkeit erweitern.

WTSH: Leisten Sie hierbei Unterstützung?

Dr. May: Ja. Das ist eine unserer Aufgaben. Wir haben zum Beispiel im Rahmen eines praktischen Handlungsleitfadens speziell für Gastgeber für jeden relevanten Bereich – von Ressourcenmanagement bis hin zu Personalmanagement, Checklisten entwickelt, die schnell einen ersten Überblick über die eigene Position geben. Darüber hinaus haben wir einen Kriterienkatalog erstellt, an dem man sich orientieren kann. Außerdem können Betriebe an unserer Nachhaltigkeitsinitiative „Glück hoch n – wie Nachhaltigkeit“ teilnehmen und von verschiedenen Mehrwerten profitieren. So werden teilnehmende Betriebe zum Beispiel auf der Website der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TA.SH) als nachhaltiger Betrieb aufgeführt. Wir spüren im Cluster auch immer wieder neuen Trends nach und informieren auf unseren Veranstaltungen darüber. Und – wir geben konkrete Beratungen, informieren über Fördermöglichkeiten und vernetzen die Akteure untereinander. Kommen Sie jederzeit auf uns zu!

WTSH: Welches Angebot haben Sie aktuell für Interessierte?

Dr. May: Ja. Haben wir. Zum Beispiel geht es am 24.02. 2020 in einer Veranstaltung um das Thema: „Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung, Plastikalternativen und grüne Veranstaltungsplanung“. Hier wird  Prof. Michael Braungart, wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts, sein „cradle-to cradle-Prinzip“ praxisnah auf die Tourismusbranche fokussiert, vorstellen. Dabei geht es um wiederverwertbare Materialien und Produktketten statt Einmalprodukte und Verfallsdaten. Das wird sicherlich spannend und führt zu ganz neuen Denkansätzen und Diskussionen! Anmeldung zur Veranstaltung unter: https://tourismusclustersh.de/de/veranstaltungen/termine/2284332699.php

 

WTSH: Frau Dr. May, danke für das Interview!




Verantwortlich für diesen Pressetext:
Ute Leinigen | WTSH Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig Holstein GmbH | Lorentzendamm  24, 24103 Kiel | Telefon 0431 66666 820 | Telefax 0431 66 66 6 720 | E-Mail: leinigen@wtsh.de | www.wtsh.de


 

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