Zugänglichkeit & Komfort

Für Menschen mit Beeinträchtigungen gibt es heute viele interessante Möglichkeiten, sich unterstützen zu lassen. Touristische Betriebe können sich von Mitbewerbern abheben, indem sie unauffällige Serviceangebote vorhalten. Hier finden Sie eine Auswahl der Möglichkeiten:

Zugänglichkeit & Komfort: Sehen

Menschen mit Sehbeeinträchtigung sehen beispielsweise Wege, Möbel und vor allem Beschilderung verschwommen oder mit wenig Farben. Mit zunehmendem Alter schränkt sich das Sichtfeld nach links und rechts bei allen Menschen ein. Selbst mit Brille können Menschen mit Sehbeeinträchtigungen eine Speisekarte nicht lesen oder Hinweisschilder nicht erkennen. Beispielsweise weil die Hinweisschilder zu klein oder in falscher Höhe angebracht sind, zu wenig Kontrast zur Umgebung bieten, weiße Schrift auf hellem Grund oder verschnörkelte Schrift haben oder es generell zu dunkel ist.

Einfache Lösungsmöglichkeiten

Hier können z.B. LED-Streifen an Treppenstufen, gut sichtbare Geländer, tragbare Tisch-Starkleuchten oder Tablets, die die Speisekarte vergrößern oder vorlesen, helfen.

Für sehbeeinträchtige Menschen gibt es einiges an technischer Unterstützung:
Eine Tischlampe mit Batterie kann in Restaurants Menschen unterstützen, die Speisekarte besser oder überhaupt lesen zu können. Die Kosten liegen meist unter € 50,–. Eine weitere Unterstützung zum besseren Lesen ist die LED-Lampe von Eschenbach; diese sollten sich Betroffene ggf. selbst kaufen.

Um Treppen oder dunkle Ecken besser zu beleuchten, bieten sich LED-Leuchtbänder an. Ein Leuchtband für Treppen kostet ab ca. € 2,– pro Meter. Sie blenden nicht und passen sich der Atmosphäre in einem Raum an.

Bauliche Maßnahmen

Wegenoppen im Fußboden

Ein gutes Beispiel für die bauliche Unterstützung sehbeeinträchtigter Menschen stammt aus dem Museum Berlinische Galerie, Berlin.

Tastbilder

Tastbilder verhelfen blinden und sehbehinderten Menschen, ein Gemälde oder ein Objekt durch einen „Nachbau“ aus verschiedenen Materialien erfühlen und erspüren zu können. Gleichzeitig können auch Kinder nachgebaute Objekte anfassen, ohne dass jemand Sorge haben muss, dass etwas zerstört wird. Und welcher sehende Erwachsene wünscht sich nicht auch manchmal, ein Objekt nicht nur zu sehen, sondern auch anzufassen?

Quelle: Berlinische Galerie, Berlin; Foto: Anke Lüneburg

Zugänglichkeit & Komfort: Hören

Menschen, die schwer hören, brauchen eine ruhige Umgebung. Auch mit Hörgeräten verhindert Umgebungslärm wie an der Rezeption oder im Restaurant, dass sie ihre Gesprächspartner verstehen können. Selbst wenn sie meinen, alles verstanden zu haben, können Missverständnisse auftreten, da Schwerhörige manchmal die Konsonanten nicht verstehen, also Inhalte missverstehen und damit falsche Antworten geben. Sie hören beispielsweise das Klopfen an der Zimmertür nicht, können leise, nuschelig oder auch schnell sprechende Mitarbeitende schwer verstehen. Und: Sie sind lärmempfindlich!

Einfache Lösungsmöglichkeiten

Ihnen helfen akustisch gedämmte Wände, z.B. bei einem geplanten Umbau, aber auch Stoffe, Teppiche und Teppichböden, Pflanzen oder Bilder, die mit Styropor oder anderem Material verstärkt sind. Auch kleine tragbare Induktionsanlagen unterstützen das Hören. Für schwerhörige Menschen gibt es schon gute Vorschläge für geringe Budgets, z.B. unterstützen Stoffbahnen an Decken, Dämmplatten hinter Bildern, Vorhänge oder Teppiche die Akustik, der Schall wird also gedämmt. Rechts sehen Sie ein Beispiel eines Seminarraums. Die Kosten ab ca. € 100,- sind abhängig von der Größe des Stoffes plus Montage.

Seminarraum Deckenstoff

Ein Funkgong mit geräuschaktivem Sender und optischer Klingelanzeige für ca. € 35,- unterstützt die Wahrnehmung einer Türklingel oder eines Alarms, z.B. bei Feueralarm. Ein Beispiel finden Sie rechts.

Hörhelfer Funkgong

Induktionsanlagen wie im Foto rechts helfen Schwerhörigen, die Sprecher in großen Gruppen und mit vielen Nebengeräuschen zu verstehen, z.B. an Rezeptionen oder in Touristinformationen oder Restaurants. Die Kosten sind abhängig von der Raumgröße und liegen z.B. in Räumen bis 50 qm zwischen ca. € 75,– und € 240,–.

Hörhelfer Induktionsgerät

Bauliche Maßnahmen

Bei Umbau oder Renovierung kann die akustische Dämmung beispielsweise durch Deckenabsorber (Bild 1) mitgedacht werden. Eine weitere Möglichkeit ist ein Wandschall-Absorber als Bild, das auch mit eigenem Motiv bestellt werden kann, oder als stoffbezogenes Objekt, wie Sie im zweiten, dritten und sechsten Bild sehen können.

Das vierte und fünfte Bild zeigt jeweils eine komplette schallgedämmte Einrichtung, wie es z.B. die Unternehmen Zilenzio und De Vorm anbieten. Weitere Möglichkeiten sind Tisch- oder Raumtrenner oder Schallabsorbtionen an Rezeptionen oder in Tagungsräumen.

Eine andere Möglichkeit, Räume akustisch zu dämpfen ist schalldämpfender Putz, z.B. von Sonophone. Das ist ein schalldämpfender Putz, mit Spritzverarbeitung anwendbar und für Innenbereiche geeignet. Sonophone bietet einen weißen und angenehmen Untergrund und ist für die Sanierung und Renovierung von bestehenden Gebäuden geeignet, natürlich auch für Neubauten.
Auch einschichtige Platten aus synthetischem SBR Gummi helfen, indem sie als Zwischenwanddämmung und für bestehende und neue Außenwände genutzt werden. Beispielsweise wird dBred für Schallisolation und akustische Verbesserung unter Nachbarhäusern angebracht, um eine hohe Schalldämmung für die Nieder- Mittelfrequenz zu gewährleisten. Auf diese Weise ist es möglich die Luftschalldämmung zu verbessern.
Ein weiteres Angebot ist Baumwollputz, auch unter weiteren Bezeichnungen wie Baumwolltapete, Wollputz, Textilputz oder Baumwoll-Wandbeschichtung bekannt. Das Produkt besteht zu 95% aus kurzfaseriger Baumwolle, die nicht (mehr) für die Textilherstellung geeignet ist.
Durch seine Eigenschaften ist Baumwollputz schalldämpfend und elastisch und sorgt somit für eine gute Raumakustik. Beim Auftragen auf die Wand entsteht ein elastisches Materialgefüge mit strukturierter Oberfläche. Während auf glatten Oberflächen Schallwellen aufprallen und zurückgeworfen werden, schluckt eine mit Baumwollputz beschichtete Wand die Geräusche. Ein weiterer positiver Effekt ist die Fähigkeit von Baumwollputz, feuchtigkeitsregulierend und atmungsaktiv zu sein und somit für ein gutes Raumklima zu sorgen. Darüber hinaus werden die Wände warm gehalten, was sogar Heizkosten spart. Abfall, Verschnitt und Geruchsbelästigungen entstehen bei der Verarbeitung nicht.

Zugänglichkeit & Komfort: Gehen

Menschen mit Gehbeeinträchtigungen gibt es viele: Zum einen sind das Rollstuhlfahrer, zum anderen viele weitere Menschen: Durch einen Beinbruch gezwungen, zumindest auf Zeit an Stöcken zu gehen; ältere Menschen mit Rollatoren, Menschen die durch einen Unfall oder eine Krankheit Gleichgewichts- oder motorische Störungen haben. Und: Auch Eltern mit kleinen Kindern sind eingeschränkt und freuen sich über eine gute Zugänglichkeit für ihren Kinderwagen.

Menschen mit körperlichen Einschränkungen brauchen stufenlose Wege, eine behindertengerechte Toilette im Erdgeschoss, Zimmer mit ausreichend Platz und entsprechendem Bad und vieles mehr.

In Schleswig-Holstein gibt es die Initiative „Rolli Plus“, die Ihnen umfassend Auskunft gibt: https://www.rolliplus-sh.de/

Zum einen können Fenster gleich beim Kauf mit Griffen bestellt werden, die sich unten am Fensterrahmen befinden, so dass das Fenster auch von einer sitzenden oder kleinen Person geöffnet werden kann. Eine weitere Idee für guten Service ist das Angebot von Duschhockern in jeder Dusche: Ob fest installiert oder dazu gestellt – damit bieten Sie als Hotel oder Privatvermieter jedem Gast ein Plus, um das er nicht extra bitten muss.

Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden

Um Gäste mit Beeinträchtigungen unauffällig zu unterstützen, brauchen Mitarbeitende in Restaurants, Hotels und Freizeitbetrieben eine gute Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen. Wenn sie beispielsweise beobachten, dass Gäste die Speisekarte nicht gut lesen können, bringen geschulte Mitarbeitende eine Tischlampe mit starken Leuchten. Sie stellen ein Induktionssystem an die Rezeption und bieten die Nutzung an, wenn sie merken, dass ein Gast bei großem Außenlärm sie nicht richtig verstehen kann. Die ausklappbare Rampe ist griffbereit in der Nähe der Tür; behindertengerechte WCs sind immer frei zugänglich und werden nicht zum Abstellen von Putzgeräten oder nicht gebrauchten Stühlen oder Tischen genutzt.
Aufmerksame Mitarbeitende und Führungskräfte gehen durch ihre Räume und Flure und achten auf die Beschilderung: Sind Hinweisschilder deutlich lesbar? Stehen vielleicht Pflanzen im Weg? Sind die Schilder groß genug und ist die Schrift kontrastreich? Wie sieht es mit Speisekarten und Preislisten aus?
Diese Aufmerksamkeit kann geschult werden; je nach Größe der Teams an einem halben oder ganzen Tag im Workshop-Format, z.B. mit dem Ausprobieren eines Alterssimulationsanzuges. Anke Lüneburg bietet diese Schulungen im Rahmen des Projektes kostenlos an, wenn sie in den Räumen des jeweiligen Betriebes stattfinden. Es können sich auch mehrere Betriebe zusammenschließen, um jeweils zwei oder drei Mitarbeitende zu entsenden; hier sollte jedoch die Begehung der anderen Betriebe vorher stattfinden.

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Anke Lüneburg

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